P2P-Kredite

EstateGuru Erfahrungen 2026: Immobilienkredite, Ausfälle und Risiken im Test

Kurz gesagt

EstateGuru ist eine estnische Plattform für Immobilienkredite mit EU-Crowdfunding-Lizenz. Die Kredite sind mit Grundschulden besichert, eine Rückkaufgarantie gibt es nicht. Seit 2023 steckt ein großer Teil des Altportfolios, vor allem aus Deutschland und Finnland, im Verzug oder in der Verwertung, und Rückzahlungen ziehen sich über Jahre. Neue Kredite vergibt EstateGuru nur noch im Baltikum. Die Plattform ist derzeit sehr riskant und höchstens für einen kleinen Betrag geeignet.

Inhaltsverzeichnis

EstateGuru Erfahrungen: Was ist EstateGuru?

EstateGuru Erfahrungen fallen 2026 sehr gemischt aus. Die estnische Plattform war lange eine der bekanntesten Adressen für Immobilienkredite im P2P-Bereich. P2P steht für „Peer-to-Peer“, also Kredite, die Anleger über eine Online-Plattform vergeben. Bei EstateGuru finanzierst du Immobilienentwickler und Unternehmen, die Geld für Bauprojekte, Überbrückungen oder Umbauten brauchen. Die Kredite sind mit Grundschulden besichert, also mit einem im Grundbuch eingetragenen Recht auf die Immobilie.

Seit 2023 steht EstateGuru aber vor allem wegen seiner Problemkredite in den Schlagzeilen. Ein großer Teil des älteren Portfolios, besonders in Deutschland und Finnland, ist ausgefallen und muss über Zwangsversteigerungen und Insolvenzverfahren verwertet werden. Das dauert Jahre, und nicht jeder Euro kommt zurück.

In diesem Test ordnen wir EstateGuru redaktionell ein: Wer hinter der Plattform steht, wie sie reguliert ist, wie die Lage bei Rückzahlungen und Verzögerungen 2024 bis 2026 aussieht, was die Gebühren kosten und für wen die Plattform überhaupt noch infrage kommt. Wir stützen uns dabei auf Angaben der Plattform, der Aufsicht und von Vergleichsportalen, nicht auf eigene Anlageerlebnisse. Wie P2P-Kredite grundsätzlich funktionieren, erklärt unser Ratgeber Was sind P2P-Kredite?.

Das Wichtigste vorab (Stand September 2026, laut Plattform und Branchenberichten):

Merkmal EstateGuru
Sitz Tallinn, Estland
Gegründet 2013
Regulierung ECSP-Lizenz der estnischen Finanzaufsicht (seit Mai 2023)
Kreditart Immobilienkredite mit Grundschulden
Neue Kredite nur noch Estland, Lettland, Litauen
Zinsen laut Plattform im Schnitt rund 10 % (Einzelkredite), 7 % (EG Grow)
Mindestanlage 50 € (Einzelkredite), 100 € (EG Grow)
Rückkaufgarantie nein
Zweitmarkt ja, 1 % Verkaufsgebühr
Problemkredite laut Vergleichsportalen weit über 100 Mio. € in Verzug oder Verwertung

Wer steckt hinter EstateGuru?

Die Plattform wird von der Estateguru OÜ mit Sitz in Tallinn betrieben. Gegründet wurde das Unternehmen 2013 von Marek Pärtel, die Plattform ging 2014 online. Laut Branchenberichten ist Pärtel weiterhin einer der größten Anteilseigner, daneben halten weitere Investoren Anteile.

In der Führung gab es Wechsel. Mihkel Stamm leitete EstateGuru mehrere Jahre als CEO und damit auch durch die Krise ab 2022. Im Juli 2025 kündigte EstateGuru an, dass der bisherige Betriebschef Daniil Aal die Geschäftsführung übernimmt. Der Wechsel stand unter dem Vorbehalt der Zustimmung der estnischen Finanzaufsicht.

Zahlen zur Plattform

Laut Statistikseite der Plattform (Stand Juli 2026) wurden über EstateGuru bisher rund 967 Millionen Euro an Krediten vergeben, verteilt auf rund 8.000 Kredite. Die Plattform nennt rund 160.000 registrierte Anleger. Anleger haben laut EstateGuru insgesamt rund 101 Millionen Euro an Zinsen verdient.

Nach eigenen Angaben war EstateGuru 2024 erstmals profitabel. Für 2025 meldete die Plattform 66 Millionen Euro an neuen Krediten im Baltikum und 8,3 Millionen Euro Zinserträge für Anleger. Branchenanalysen weisen allerdings darauf hin, dass die Eigenkapitaldecke des Unternehmens dünn ist. Für dich als Anleger heißt das: Die Plattform selbst hat nur begrenzte Reserven, um Krisen abzufedern.

Ist EstateGuru seriös? Regulierung und Sicherheit

EstateGuru ist reguliert. Am 8. Mai 2023 erteilte die estnische Finanzaufsicht (Finantsinspektsioon) der Estateguru OÜ eine Zulassung als Schwarmfinanzierungsdienstleister nach der EU-Verordnung für Crowdfunding (kurz ECSP). EstateGuru war damit einer der ersten Anbieter in Estland mit dieser Lizenz und darf seine Dienste in der ganzen EU anbieten.

Was die ECSP-Lizenz bedeutet

  • Aufsicht: Die Plattform wird von der estnischen Finanzaufsicht überwacht.
  • Informationspflichten: Zu jedem Kredit gibt es ein standardisiertes Basisinformationsblatt.
  • Einstiegstest: Vor der ersten Anlage prüft EstateGuru mit einem Fragebogen, ob du die Risiken verstehst.
  • Getrennte Gelder: Anlegergelder liegen auf Konten eines Zahlungsdienstleisters. Seit August 2026 ist das die estnische LHV Pank, vorher war es Lemonway.

Was die Lizenz nicht leistet

Die Lizenz ist keine Garantie für dein Geld. Es gibt keine gesetzliche Anlegerentschädigung wie bei Wertpapierfirmen und keine Einlagensicherung. EstateGuru weist selbst darauf hin, dass Crowdfunding nicht versichert ist und zum vollständigen Verlust des investierten Geldes führen kann.

Die Geschichte von EstateGuru zeigt besonders deutlich: Auch eine regulierte Plattform kann ein Portfolio mit sehr vielen Problemkrediten haben. Regulierung schützt vor Fehlverhalten der Plattform, nicht vor schlechten Krediten.

Worin du bei EstateGuru investierst

Bei EstateGuru kaufst du Anteile an einzelnen Immobilienkrediten, ab 50 Euro pro Kredit. Kreditnehmer sind Unternehmen, meist Projektentwickler oder Immobilienbesitzer.

Kreditarten

  • Überbrückungskredite: Kurzfristige Finanzierung, zum Beispiel bis eine Bank eine Anschlussfinanzierung gewährt oder eine Immobilie verkauft ist.
  • Baukredite: Finanzierung von Neubauten oder Sanierungen, oft in mehreren Tranchen je nach Baufortschritt.
  • Geschäftskredite: Kredite an Unternehmen, die mit Immobilien besichert sind.

Sicherheiten und Beleihungsauslauf

Die Kredite sind mit Grundschulden besichert, meist erstrangig. Erstrangig bedeutet: Wird die Immobilie verwertet, werden die Anleger zuerst bedient. Wichtig ist der Beleihungsauslauf (englisch: Loan-to-Value, kurz LTV). Er gibt an, wie hoch der Kredit im Verhältnis zum geschätzten Wert der Immobilie ist. Für die seit 2023 vergebenen Kredite nennt EstateGuru einen gewichteten Durchschnitt von 54,1 Prozent (Stand Mitte 2026).

Ein niedriger LTV klingt beruhigend. Die Erfahrungen in Deutschland und Finnland zeigen aber: Gutachterwerte werden bei Zwangsverkäufen oft nicht erreicht, besonders wenn Bauprojekte halb fertig stehen bleiben und Immobilien verfallen.

Aktive und inaktive Märkte

Markt Status laut EstateGuru (Mitte 2026)
Estland aktiv, keine neuen Ausfälle im ersten Halbjahr 2026
Lettland aktiv, keine neuen Ausfälle im ersten Halbjahr 2026
Litauen aktiv, Forderungen aus drei Problemkrediten verkauft
Deutschland seit Ende 2022 inaktiv, Kredite in Verwertung
Finnland inaktiv, mehrere Kredite in Verwertung
Spanien geschlossen, alle Kredite ohne Kapitalverlust zurückgezahlt
Portugal inaktiv, Kredite laufen laut Plan

EG Grow

Seit 2025 bietet EstateGuru mit EG Grow ein Sammelprodukt an. Du zahlst mindestens 100 Euro ein und bekommst laut Plattform einen festen Zins von 7 Prozent pro Jahr, monatlich ausgezahlt. Dein Geld fließt automatisch in baltische Immobilienkredite mit 6 bis 18 Monaten Laufzeit, einem LTV von höchstens 69 Prozent und erstrangiger Grundschuld.

Die Differenz zwischen dem Kreditzins und deinen 7 Prozent nutzt EstateGuru unter anderem für einen Reservefonds, der bei Zahlungsverzögerungen einspringen soll. Wichtig: Die Kredite in EG Grow kannst du nicht auf dem Zweitmarkt verkaufen, dein Geld bleibt bis zur Rückzahlung gebunden. Fallen Kreditnehmer aus, trägst du das Verlustrisiko.

Zinsen und Rendite bei EstateGuru

Bei Einzelkrediten liegen die Zinsen laut Plattform meist um 10 Prozent pro Jahr. Für die seit 2023 vergebenen Kredite nennt EstateGuru einen gewichteten Durchschnittszins von 9,96 Prozent. Bei EG Grow sind es 7 Prozent.

Die tatsächliche Rendite vieler langjähriger Anleger liegt deutlich darunter. Der Grund sind die Ausfälle: Solange ein Kredit in der Verwertung steckt, fließen keine Zinsen und kein Kapital. Kommt am Ende weniger zurück als investiert, entsteht ein Verlust. Mehrere Vergleichsportale berichten von Anlegern, deren Gesamtrendite bei EstateGuru über die Jahre ins Minus gerutscht ist. Wie es bei dir aussehen würde, hängt stark davon ab, wann du investiert hast und in welche Länder.

Ein fiktives Rechenbeispiel

Du investierst 2.000 Euro in 20 Kredite zu je 100 Euro mit 10 Prozent Zinsen. Laufen alle Kredite planmäßig, bekommst du rund 200 Euro Zinsen im Jahr vor Steuern.

Nun fallen 4 der 20 Kredite aus, also 400 Euro. Sie bringen drei Jahre lang keine Zahlungen. Danach wird die Immobilie verwertet, und es kommen 70 Prozent des Kapitals zurück, also 280 Euro. Über drei Jahre fehlen dir rund 120 Euro Zinsen, dazu kommt ein Kapitalverlust von 120 Euro. Die übrigen 16 Kredite bringen in den drei Jahren rund 480 Euro Zinsen. Unterm Strich bleiben rund 360 Euro Ertrag vor Steuern statt 600 Euro, also etwa 6 statt 10 Prozent pro Jahr.

Bei EstateGuru waren in der Vergangenheit in manchen Portfolios nicht 20 Prozent, sondern mehr als die Hälfte der Kredite betroffen. Dann kann die Rendite auch negativ werden.

Rückzahlungen und Verzögerungen 2024 bis 2026

Das wichtigste Thema bei EstateGuru sind die Problemkredite. Hier die Entwicklung im Überblick.

Wie es zur Krise kam

Mit steigenden Zinsen ab 2022 gerieten viele Immobilienentwickler in Schwierigkeiten. Banken vergaben weniger Anschlussfinanzierungen, Verkäufe stockten, Baukosten stiegen. EstateGuru hatte in den Jahren zuvor stark expandiert, unter anderem nach Deutschland und Finnland. Im Mai 2023 meldete die Plattform selbst einen Rekordstand an Ausfällen von rund 20 Prozent des ausstehenden Portfolios.

In Deutschland kamen laut Branchenberichten Probleme mit der Kreditprüfung hinzu: EstateGuru stellte fest, dass Mitglieder des deutschen Teams 2020 und 2021 gegen interne Vorgaben verstoßen hatten. Seit Ende 2022 gilt der deutsche Markt als inaktiv, neue Kredite vergibt EstateGuru dort nicht mehr.

Wie groß das Problem 2026 ist

Eine offizielle Gesamtquote für Ausfälle veröffentlicht EstateGuru nicht. Vergleichsportale haben die Plattformdaten ausgewertet: Danach stand 2026 ein ausstehendes Portfolio von rund 190 bis 200 Millionen Euro zu Buche, wovon rund 60 bis 70 Prozent, also weit über 100 Millionen Euro, im Verzug oder in der Verwertung waren. In den inaktiven Märkten wie Deutschland und Finnland befand sich laut einer Auswertung von P2P Market Data im April 2026 nahezu das gesamte verbliebene Portfolio in der Verwertung.

Die Plattform selbst betont eine andere Zahl: Von den seit 2023 vergebenen Krediten, rund 285 Millionen Euro vor allem im Baltikum, waren laut EstateGuru Ende August 2026 rund 96,4 Prozent entweder zurückgezahlt oder liefen planmäßig. Rund 10 Millionen Euro, also 3,6 Prozent, galten als notleidend. Beide Zahlen stimmen gleichzeitig: Das neue Geschäft läuft deutlich besser, das Altportfolio ist aber schwer belastet.

Was bisher zurückgeholt wurde

Zeitraum Zurückgeholtes Kapital aus Problemkrediten laut EstateGuru
seit Beginn insgesamt (bis Mitte 2026) rund 70 Mio. €
2024 rund 14,8 Mio. €
2025 rund 7,5 Mio. €
1. Halbjahr 2026 rund 6,3 Mio. €, dazu 5,3 Mio. € aus vereinbarten Verkäufen
August 2026 rund 1,9 Mio. €

Die Rückflüsse sind also real, aber im Verhältnis zum Bestand an Problemkrediten langsam. 2025 kam weniger zurück als 2024. Laut Branchenberichten hat EstateGuru frühere eigene Prognosen für Rückzahlungen deutlich verfehlt.

Deutschland

Deutschland ist der größte Problemmarkt. Im Februar 2025 warnte EstateGuru, dass bei den deutschen Krediten Verluste wahrscheinlich sind. Zwangsverkäufe dürften in vielen Fällen nicht den vollen Betrag einbringen, und zusätzliche Zahlungen über den Verkaufserlös hinaus seien meist unwahrscheinlich.

Im März 2026 berichtete die Plattform, dass in den vorangegangenen zwölf Monaten sieben deutsche Kredite abgeschlossen wurden, weitere drei bis fünf sollen 2026 folgen. Als Hauptgrund für die langsamen Verfahren nennt EstateGuru das stark formalisierte deutsche Recht: Zwangsversteigerungen laufen über Gerichte, mit festen Verfahrensschritten, Gutachten und Fristen. Dazu kommt ein schwacher Markt für Wohnprojekte in Nebenlagen.

Finnland, Litauen und Spanien

In Finnland sind die Immobilienpreise laut EstateGuru seit dem Höchststand 2022 um 10 bis 12 Prozent gefallen, und die Wirtschaft wächst kaum. Im ersten Halbjahr 2026 wurden mehrere Kredite endgültig abgeschlossen. In Litauen hat EstateGuru 2025 Forderungen aus drei Problemkrediten für 5,3 Millionen Euro verkauft, die Zahlung ist für Herbst 2026 angekündigt. In Spanien wurden alle Kredite ohne Kapitalverlust zurückgezahlt.

Was EstateGuru unternimmt

EstateGuru finanziert die Verwertung zum Teil aus eigenen Mitteln. Für 2025 nennt die Plattform 1,7 Millionen Euro für Anwälte, Vollstreckung, Makler, Versicherungen und Insolvenzverfahren. Seit 2026 veröffentlicht sie vierteljährliche Updates zu jedem Problemkredit im Portfolio der Anleger. Das ist mehr Transparenz als früher, ändert aber nichts daran, dass viele Anleger noch Jahre auf ihr Geld warten müssen.

Keine Rückkaufgarantie: Was dich stattdessen schützt

Eine Rückkaufgarantie, bei der ein Kreditanbieter Kredite im Verzug zurückkauft, gibt es bei EstateGuru nicht. Dein Schutz besteht aus der Grundschuld auf die Immobilie.

Schutzmechanismus Was er leistet Wo seine Grenzen liegen
Erstrangige Grundschuld Zugriff auf die Immobilie bei Ausfall Verwertung dauert oft Jahre, Erlös unsicher
Niedriger LTV Puffer gegen Preisrückgänge Gutachterwerte werden bei Notverkäufen oft verfehlt
Persönliche Bürgschaften zusätzlicher Anspruch gegen Personen bei zahlungsunfähigen Bürgen wenig wert
Reservefonds (nur EG Grow) soll Verzögerungen abfedern begrenzte Mittel, keine Garantie

Eine Grundschuld hat einen Vorteil gegenüber einer Rückkaufgarantie: Sie verschwindet nicht, wenn ein Unternehmen pleitegeht. Der Nachteil zeigt sich bei EstateGuru deutlich: Bis aus der Grundschuld Geld wird, vergehen oft Jahre, und das Ergebnis ist ungewiss.

Liquidität: Zweitmarkt und vorzeitiger Ausstieg

Wenn du bei EstateGuru investierst, solltest du davon ausgehen, dass dein Geld mindestens bis zum Ende der Kreditlaufzeit gebunden ist. Bei Problemkrediten kann es viele Jahre länger dauern.

Der Zweitmarkt

Auf dem Zweitmarkt kannst du Kreditanteile an andere Anleger verkaufen, auch mit Abschlag oder Aufschlag. Laut Preisliste zahlt der Verkäufer 1 Prozent des Transaktionsbetrags, für Käufer ist er kostenlos.

In der Praxis ist der Zweitmarkt für Problemkredite kaum eine Lösung. Wer einen ausgefallenen Kredit verkaufen will, findet meist nur mit hohem Abschlag einen Käufer. Der Zweitmarkt eignet sich vor allem, um planmäßig laufende Kredite vorzeitig abzugeben.

Zahlungsdienstleister-Wechsel im August 2026

Im August 2026 wechselte EstateGuru vom Zahlungsdienstleister Lemonway zur estnischen LHV Pank, einer lizenzierten Bank. Während der Umstellung ab dem 5. August waren Ein- und Auszahlungen, neue Investitionen, Rückzahlungen, Zweitmarkt, Auto-Invest und EG Grow für einige Arbeitstage pausiert. Laut EstateGuru sollen Ein- und Auszahlungen danach deutlich schneller laufen.

Das Vergleichsportal P2P Empire berichtete Mitte September 2026, dass der Zweitmarkt nach der Umstellung noch nicht wieder geöffnet war und kein Termin feststand. Prüfe den aktuellen Stand deshalb direkt auf der Plattform, bevor du dich auf einen Verkauf verlässt.

EG Grow

Bei EG Grow gibt es keinen vorzeitigen Ausstieg. Die Kredite können nicht auf dem Zweitmarkt verkauft werden, dein Geld bleibt bis zur Rückzahlung durch die Kreditnehmer gebunden. Dein Notgroschen gehört deshalb weder in Einzelkredite noch in EG Grow.

EstateGuru Auto-Invest und Bedienung

Mit dem Auto-Invest legt EstateGuru dein Geld automatisch nach festgelegten Regeln an. Laut Branchenberichten gibt es drei Strategien:

  • Konservativ: nur Kredite mit LTV bis 67,5 Prozent
  • Ausgewogen: Kredite mit LTV bis 75 Prozent
  • Individuell: eigene Kriterien wie Zins, LTV, Land, Laufzeit und Rang der Sicherheit

So richtest du Auto-Invest ein (allgemein)

  1. Strategie wählen: Für vorsichtige Anleger bietet sich eine Variante mit niedrigem LTV an.
  2. Länder auswählen: Neue Kredite gibt es ohnehin nur noch im Baltikum.
  3. Betrag pro Kredit festlegen: Kleine Beträge pro Kredit sorgen für mehr Streuung.
  4. Gesamtbetrag begrenzen: Lege fest, wie viel insgesamt automatisch investiert werden darf.
  5. Regelmäßig prüfen: Schau dir die vierteljährlichen Updates zu Problemkrediten an und passe deine Einstellungen bei Bedarf an.

Die Plattform ist übersichtlich, auch auf Deutsch verfügbar und bietet eine App. Für Einsteiger ist EG Grow einfacher zu bedienen, weil du keine Kredite auswählen musst. Dafür verzichtest du auf Zins und auf die Möglichkeit, vorzeitig auszusteigen.

Kosten und Gebühren

Anders als viele P2P-Plattformen verlangt EstateGuru von Anlegern mehrere Gebühren. Laut Preisliste (gültig seit 1. November 2025):

Gebühr Höhe laut Preisliste
Verwaltungsgebühr 0,083 % pro Monat auf planmäßig laufendes Kapital, höchstens 100 €
Auszahlung 3 € pro Auszahlung
Verkauf auf dem Zweitmarkt 1 % des Transaktionsbetrags (Verkäufer)
Inaktives Konto 10 € pro Monat nach zwölf Monaten ohne Investition, später 50 € pro Monat
Investieren am Erstmarkt kostenlos

Die Verwaltungsgebühr entspricht aufs Jahr gerechnet knapp 1 Prozent des laufenden Kapitals. Laut Preisliste wird sie nur auf planmäßig laufende Kredite erhoben, nicht auf verspätete oder ausgefallene, und nur für Kredite, die seit dem 1. November 2023 vergeben oder auf dem Zweitmarkt gekauft wurden. Zusätzlich behält EstateGuru eine Zinsspanne von 0 bis 2 Prozent zwischen dem Zins des Kreditnehmers und deinem Zins ein.

Rechne die Kosten in deine Renditeerwartung ein: Bei 10 Prozent Kreditzins und knapp 1 Prozent Verwaltungsgebühr bleiben vor Ausfällen und Steuern rund 9 Prozent.

EstateGuru Steuern: Was Anleger aus Deutschland beachten müssen

Zinsen von EstateGuru sind in Deutschland Kapitalerträge. Sie unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag darauf, zusammen 26,375 Prozent, gegebenenfalls plus Kirchensteuer.

EstateGuru sitzt in Estland und führt keine deutsche Steuer ab. Estland erhebt laut estnischer Steuerbehörde auf Zinsen an Privatanleger im Ausland in der Regel keine Quellensteuer. Du gibst deine Zinsen deshalb selbst in der Anlage KAP an. Einen Freistellungsauftrag gibt es bei EstateGuru nicht, den Sparerpauschbetrag berücksichtigt das Finanzamt über die Steuererklärung.

Rechenbeispiel

Du bist alleinstehend und hast 400 Euro Zinsen von EstateGuru, deinen Sparerpauschbetrag hast du bereits anderweitig ausgeschöpft. Dann zahlst du 400 × 26,375 Prozent = 105,50 Euro Abgeltungsteuer und Soli.

Ausfälle und Gebühren

Ob sich Ausfälle und Gebühren steuerlich berücksichtigen lassen, hängt vom Einzelfall ab. Weil sich bei EstateGuru Verwertungen über Jahre ziehen, steht ein endgültiger Verlust oft erst spät fest. Bewahre alle Kontoauszüge und Jahresübersichten der Plattform auf. Bei größeren Verlusten lohnt sich eine steuerliche Beratung. Hilfreiche Werkzeuge findest du bei unseren Steuer-Tools.

Kontoeröffnung bei EstateGuru Schritt für Schritt

  1. Registrieren: E-Mail-Adresse und Passwort angeben.
  2. Persönliche Daten eintragen: Name, Adresse, Geburtsdatum und steuerliche Ansässigkeit.
  3. Identität bestätigen: Ausweis hochladen und die Identität online verifizieren.
  4. Einstiegstest ausfüllen: Wie bei allen ECSP-Plattformen fragt EstateGuru dein Wissen und deine Erfahrung ab.
  5. Geld überweisen: Per SEPA-Überweisung auf deine persönliche Kontonummer beim Zahlungsdienstleister einzahlen. Seit dem Wechsel zu LHV Pank im August 2026 gelten neue Kontodaten.
  6. Investieren: Kredite einzeln auswählen, Auto-Invest einrichten oder EG Grow nutzen.

Lies vor jeder Anlage das Basisinformationsblatt des Kredits und die aktuellen Updates zu Problemkrediten. Sie zeigen dir, wie die Plattform mit Ausfällen umgeht.

Vorteile und Nachteile: Für wen eignet sich EstateGuru?

Vorteile Nachteile
Kredite mit Grundschulden besichert Sehr hoher Anteil des Altportfolios in Verzug oder Verwertung
ECSP-Lizenz seit 2023 Keine Rückkaufgarantie, keine Anlegerentschädigung
Neugeschäft seit 2023 laut Plattform mit niedriger Ausfallquote Verwertungen dauern Jahre, Verluste in Deutschland wahrscheinlich
Lange Marktpräsenz seit 2013 Verwaltungsgebühr, Auszahlungs- und Zweitmarktgebühr
Regelmäßige Updates zu Problemkrediten Zweitmarkt kaum liquide, nach dem Anbieterwechsel zeitweise geschlossen
Keine estnische Quellensteuer Dünne Kapitaldecke der Plattform laut Branchenanalysen

Geeignet für dich, wenn …

  • dein Fundament aus Notgroschen und ETF-Sparplan steht,
  • du bewusst einen sehr kleinen Betrag in baltische Immobilienkredite stecken willst,
  • du das Geld viele Jahre entbehren kannst und lange Wartezeiten aushältst,
  • du die Updates der Plattform regelmäßig liest und kritisch einordnest.

Eher ungeeignet, wenn …

  • du planbare Rückflüsse oder schnellen Zugriff auf dein Geld brauchst,
  • du glaubst, eine Grundschuld mache Immobilienkredite sicher,
  • du keine Verluste verkraften kannst,
  • du Einsteiger bist und P2P-Kredite erst kennenlernen willst.

Alternativen zu EstateGuru

Wer sich für besicherte Kredite interessiert oder eine weniger belastete Plattform sucht, kann andere Optionen prüfen:

Alternative Was sie von EstateGuru unterscheidet
Lande ebenfalls besichert und ECSP-lizenziert, aber Agrarkredite mit Land und Maschinen
Mintos MiFID-II-reguliert, viele Kreditanbieter, Rückkauf durch den jeweiligen Kreditanbieter
Viainvest reguliert, Wertpapiere auf Konsumkredite eines Konzerns
Immobilien-ETF breit gestreut über viele börsennotierte Immobilienunternehmen, täglich handelbar
Welt-ETF breit gestreut über Tausende Unternehmen, Sondervermögen
Tagesgeld niedriger Zins, aber Einlagensicherung bis 100.000 €

Einen Überblick über alle neun Plattformen bietet unser P2P-Vergleich, Details zu jedem Anbieter findest du in der Übersicht der P2P-Anbieter. Wie ein solides Fundament aus ETFs aussieht, zeigt der Ratgeber zum ETF-Portfolio. P2P-Kredite sollten insgesamt nur einen kleinen Teil deines Vermögens ausmachen, viele Ratgeber nennen höchstens 5 bis 10 Prozent.

Häufige Fragen

Ist EstateGuru seriös?

EstateGuru ist seit Mai 2023 von der estnischen Finanzaufsicht als Crowdfunding-Dienstleister zugelassen und seit 2013 am Markt. Die Plattform veröffentlicht regelmäßig Updates zu Problemkrediten. Seriös heißt aber nicht sicher: Ein großer Teil des Altportfolios steckt seit Jahren in der Verwertung, und in Deutschland rechnet EstateGuru selbst mit Verlusten. Ein Totalverlust ist möglich.

Wie viele Kredite sind bei EstateGuru ausgefallen?

Eine offizielle Gesamtquote veröffentlicht EstateGuru nicht. Nach Auswertungen von Vergleichsportalen waren 2026 rund 60 bis 70 Prozent des ausstehenden Portfolios im Verzug oder in der Verwertung, weit über 100 Millionen Euro. Von den seit 2023 vergebenen Krediten waren laut Plattform dagegen Ende August 2026 nur 3,6 Prozent notleidend.

Bekomme ich mein Geld aus ausgefallenen EstateGuru-Krediten zurück?

Teilweise und oft erst nach Jahren. EstateGuru hat laut eigenen Angaben bis Mitte 2026 rund 70 Millionen Euro Kapital aus Problemkrediten zurückgeholt. In Deutschland laufen Zwangsversteigerungen über Gerichte und dauern lange, die Plattform hält Verluste dort für wahrscheinlich. Wie viel bei dir zurückkommt, hängt vom einzelnen Kredit und dem Erlös der Immobilie ab.

Gibt es bei EstateGuru eine Rückkaufgarantie?

Nein. Die Kredite sind stattdessen mit meist erstrangigen Grundschulden besichert. Fällt ein Kredit aus, muss EstateGuru die Immobilie verwerten lassen. Das kann Jahre dauern, und der Verkaufserlös deckt nicht immer den vollen Kreditbetrag. Das Ausfallrisiko trägst du als Anleger direkt, auch beim Produkt EG Grow.

Welche Gebühren verlangt EstateGuru?

Laut Preisliste fallen eine Verwaltungsgebühr von 0,083 Prozent pro Monat auf planmäßig laufendes Kapital an, höchstens 100 Euro, außerdem 3 Euro pro Auszahlung und 1 Prozent beim Verkauf auf dem Zweitmarkt. Für Konten ohne Investition über zwölf Monate gibt es eine Inaktivitätsgebühr. Das Investieren am Erstmarkt ist kostenlos.

Was ist EG Grow?

EG Grow ist ein Sammelprodukt von EstateGuru mit festem Zins von 7 Prozent pro Jahr und monatlicher Auszahlung, ab 100 Euro. Dein Geld fließt in baltische Immobilienkredite mit 6 bis 18 Monaten Laufzeit und höchstens 69 Prozent LTV. Einen vorzeitigen Ausstieg gibt es nicht, und bei Ausfällen trägst du das Verlustrisiko.

Wie versteuere ich Zinsen von EstateGuru?

Die Zinsen sind in Deutschland Kapitalerträge und unterliegen 26,375 Prozent Abgeltungsteuer inklusive Soli, gegebenenfalls plus Kirchensteuer. EstateGuru führt keine deutsche Steuer ab, und Estland erhebt in der Regel keine Quellensteuer auf Zinsen an ausländische Privatanleger. Du gibst die Zinsen selbst in der Anlage KAP an.

Kann ich bei EstateGuru jederzeit aussteigen?

Nein. Einzelkredite kannst du nur über den Zweitmarkt vorzeitig verkaufen, gegen 1 Prozent Gebühr und oft mit Abschlag. Nach dem Wechsel des Zahlungsdienstleisters im August 2026 war der Zweitmarkt laut einem Vergleichsportal zeitweise geschlossen. Bei EG Grow gibt es gar keinen vorzeitigen Ausstieg. Plane das Geld für viele Jahre ein.

Fazit

EstateGuru ist ein Lehrstück dafür, dass besicherte Kredite nicht automatisch sichere Kredite sind. Die Grundschulden haben viele Anleger nicht vor jahrelangen Wartezeiten bewahrt, und in Deutschland sind Verluste wahrscheinlich. Positiv sind die ECSP-Lizenz, die offenere Kommunikation und das seit 2023 deutlich besser laufende Neugeschäft im Baltikum. Dem stehen ein schwer belastetes Altportfolio, spürbare Gebühren und eine eingeschränkte Liquidität gegenüber.

Für Einsteiger ist EstateGuru derzeit keine gute Wahl. Wer sich trotzdem für baltische Immobilienkredite interessiert, sollte nur einen sehr kleinen Betrag einsetzen und die Entwicklung genau verfolgen. Das Fundament bleiben Notgroschen und ETF-Sparplan. Wie EstateGuru im Vergleich abschneidet, zeigt unser P2P-Vergleich.

Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Mehr erfahren