Grundlagen

Anfängerfehler beim Investieren: Die 8 häufigsten Fallen vermeiden

Kurz gesagt

Die größten Verluste an der Börse entstehen selten durch den falschen ETF, sondern durch unser eigenes Verhalten. Denkfallen wie Verlustaversion, Herdentrieb oder Selbstüberschätzung führen zu typischen Anfängerfehlern: Panikverkäufe im Crash, Market Timing, zu häufiges Handeln, Klumpenrisiken und Hebelwetten auf Hypes. Ein Notgroschen, breite Streuung, niedrige Kosten, ein automatischer Sparplan und eine schriftliche Anlagerichtlinie schützen dich vor den meisten Fehlern.

Inhaltsverzeichnis

Warum unser Kopf beim Investieren im Weg steht

Die meisten Anfängerfehler beim Investieren haben wenig mit fehlendem Fachwissen zu tun. Sie entstehen im Kopf. Unser Gehirn ist nicht für die Börse gemacht. Es reagiert auf kurzfristige Gefahren, sucht nach schnellen Belohnungen und orientiert sich an dem, was andere tun. In der Steinzeit war das überlebenswichtig. Im Depot führt es oft genau zum falschen Verhalten.

Mit diesen Mustern beschäftigt sich die Börsenpsychologie, ein Teil der Verhaltensökonomie. Sie untersucht, warum Anleger systematisch von rationalen Entscheidungen abweichen. Bekannt geworden ist das Feld vor allem durch die Psychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky, deren Arbeiten seit den 1970er-Jahren zeigen: Menschen bewerten Gewinne und Verluste nicht neutral, sondern verzerrt.

Die gute Nachricht: Du musst diese Denkfallen nicht abschalten, das kann niemand. Es reicht, sie zu kennen und dir Regeln zu geben, die dich vor ihnen schützen. Genau darum geht es in diesem Ratgeber. Zuerst schauen wir uns die wichtigsten Denkfallen an, dann die acht Fehler, die sie am häufigsten auslösen, und am Ende bekommst du eine Vorlage für deine eigene Anlagerichtlinie und eine Checkliste für den nächsten Crash.

Börsenpsychologie: Sechs Denkfallen, die du kennen solltest

Jede der folgenden Denkfallen steckt hinter mehreren typischen Fehlern. Zu jeder bekommst du eine kurze Erklärung, ein Beispiel und ein Gegenmittel.

Verlustaversion: Verluste tun doppelt weh

Erklärung: Verluste schmerzen uns ungefähr doppelt so stark, wie uns gleich hohe Gewinne freuen. 1.000 Euro Minus fühlen sich also viel schlimmer an, als sich 1.000 Euro Plus gut anfühlen. Das ist der Kern der sogenannten Neuen Erwartungstheorie von Kahneman und Tversky.

Beispiel: Verlustaversion wirkt in zwei Richtungen. Im Crash verkaufen viele aus Angst vor weiteren Verlusten. Bei Einzelaktien passiert oft das Gegenteil: Anleger halten Verlierer viel zu lange, weil ein Verkauf den Verlust „echt“ machen würde, verkaufen Gewinner aber früh, um den Gewinn zu sichern. Fachleute nennen das den Dispositionseffekt. Das Ergebnis ist ein Depot voller Verlierer.

Gegenmittel: Bewerte dein Depot als Ganzes, nicht jede Position einzeln. Frag dich bei einer Aktie nicht „Wie komme ich wieder auf meinen Einstand?“, sondern „Würde ich sie heute zum aktuellen Kurs kaufen?“. Und schau seltener hin: Je öfter du ins Depot schaust, desto öfter siehst du rote Zahlen und desto stärker wirkt die Verlustaversion.

Herdentrieb und FOMO: Alle machen es, also muss es richtig sein

Erklärung: Wir orientieren uns an anderen. Wenn alle über eine Aktie, eine Kryptowährung oder ein Thema reden, wollen wir dabei sein. FOMO steht für „Fear of Missing Out“, die Angst, etwas zu verpassen. Soziale Netzwerke verstärken dieses Gefühl enorm, weil dort vor allem die Gewinner ihre Erfolge zeigen.

Beispiel: Um das Jahr 2000 kauften viele Deutsche Aktien von Internetfirmen am Neuen Markt, oft auf Empfehlung von Freunden oder aus dem Fernsehen. Als die Blase platzte, verloren viele dieser Werte den Großteil ihres Wertes, manche Firmen verschwanden ganz. Ähnliche Muster zeigten sich später bei Meme-Aktien, bei Kryptowährungen und bei einzelnen Themenaktien.

Gegenmittel: Je lauter ein Thema ist, desto skeptischer solltest du werden. Wenn dir jemand eine Aktie empfiehlt, der sich sonst nie für die Börse interessiert, sind oft schon viele eingestiegen. Leg fest, dass du nichts kaufst, was du nicht in zwei Sätzen erklären kannst, und lass zwischen Idee und Kauf mindestens eine Woche vergehen.

Selbstüberschätzung: Ich weiß es besser als der Markt

Erklärung: Die meisten Menschen halten sich für überdurchschnittlich gute Autofahrer. An der Börse ist es ähnlich. Nach ein paar Gewinnen halten wir uns für bessere Anleger, als wir sind. Erfolge schreiben wir unserem Können zu, Misserfolge dem Pech.

Beispiel: In einer Phase steigender Kurse verdient fast jeder Geld, egal was er kauft. Wer daraus schließt, dass er ein Händchen für Aktien hat, handelt mehr, setzt höhere Beträge und wählt riskantere Produkte. Studien aus den USA deuten darauf hin, dass Privatanleger, die besonders häufig handeln, im Schnitt schlechter abschneiden als solche, die selten handeln.

Gegenmittel: Führe ein kleines Anlagetagebuch. Schreib bei jedem Kauf auf, warum du kaufst und was du erwartest. Nach einem Jahr vergleichst du. Die meisten stellen fest, dass ihre Prognosen nicht besser waren als ein Münzwurf. Und vergleiche deine Einzelaktien ehrlich mit einem einfachen Welt-ETF: Hättest du dort mehr verdient?

Ankereffekt: Der Kaufkurs als falscher Maßstab

Erklärung: Wir klammern uns an Zahlen, die wir einmal gesehen haben, auch wenn sie für die Entscheidung keine Rolle spielen. An der Börse sind typische Anker der eigene Kaufkurs, das letzte Hoch oder eine runde Zahl.

Beispiel: Du hast eine Aktie für 100 Euro gekauft, jetzt steht sie bei 60 Euro. Du nimmst dir vor, zu verkaufen, sobald sie wieder bei 100 Euro ist. Dem Markt ist dein Kaufkurs aber völlig egal. Die Frage ist nur, ob das Unternehmen heute 60 Euro wert ist oder mehr. Umgekehrt denken viele: „Die Aktie stand schon mal bei 150 Euro, bei 90 Euro ist sie ein Schnäppchen.“ Vielleicht war sie bei 150 Euro aber einfach zu teuer.

Gegenmittel: Blende den Kaufkurs bei Entscheidungen bewusst aus. Viele Broker-Apps zeigen die Performance seit Kauf groß an, aber du kannst dir angewöhnen, stattdessen auf das Unternehmen zu schauen. Bei ETFs erübrigt sich die Frage weitgehend: Du kaufst per Sparplan regelmäßig nach, der Kaufkurs spielt keine Rolle.

Bestätigungsfehler: Wir suchen, was wir hören wollen

Erklärung: Haben wir uns eine Meinung gebildet, suchen wir bevorzugt nach Informationen, die sie bestätigen. Widersprüchliches übersehen wir oder tun es ab. Algorithmen in sozialen Netzwerken verstärken das, weil sie uns mehr von dem zeigen, was wir schon angeklickt haben.

Beispiel: Du bist von einer Aktie überzeugt und liest nur noch Artikel, Foren und Videos, die sie loben. Warnsignale wie sinkende Gewinne, steigende Schulden oder kritische Berichte nimmst du kaum wahr. Wenn der Kurs fällt, liegt es in deiner Wahrnehmung an „Leerverkäufern“ oder „Panikmache“, nie am Unternehmen.

Gegenmittel: Such gezielt nach der Gegenposition. Bevor du kaufst, schreibst du drei Gründe auf, warum die Investition schiefgehen könnte. Eine zweite Übung ist die „Pre-Mortem“-Frage: Stell dir vor, es sind drei Jahre vergangen und die Aktie hat sich halbiert. Was ist wahrscheinlich passiert? Wer darauf gute Antworten findet, kauft vorsichtiger oder gar nicht.

Rückschaufehler: Im Nachhinein war alles klar

Erklärung: Im Nachhinein wirkt jeder Crash vorhersehbar. Vorher war er es nicht. Weil wir uns im Rückblick einreden, die Signale seien eindeutig gewesen, glauben wir, den nächsten Einbruch rechtzeitig zu erkennen.

Beispiel: Nach jedem Crash gibt es Menschen, die ihn angeblich vorhergesagt haben. Dass dieselben Menschen oft jahrelang jedes Jahr einen Crash vorhergesagt haben, wird vergessen. Wer ihnen gefolgt wäre, hätte in den Jahren davor viel Rendite verpasst.

Gegenmittel: Akzeptiere, dass Crashs kommen, aber nicht wann. Baue deine Strategie so, dass sie ohne Vorhersage funktioniert: mit einer Aktienquote, die du auch im Einbruch durchhältst, und einem Sparplan, der einfach weiterläuft.

Anfängerfehler beim Investieren: Die Übersicht

Aus diesen Denkfallen entstehen die acht Fehler, die Einsteiger am meisten Geld kosten. Die folgende Tabelle zeigt sie auf einen Blick, danach gehen wir jeden einzeln durch.

Fehler Denkfalle dahinter Gegenmittel
1. Ohne Notgroschen investieren Optimismus, Ungeduld erst Reserve aufs Tagesgeld
2. In Krisen verkaufen Verlustaversion, Herdentrieb Regel vorher festlegen, Sparplan weiterlaufen lassen
3. Den perfekten Einstieg abpassen Selbstüberschätzung, Rückschaufehler Sparplan, sofort starten
4. Zu wenig streuen Selbstüberschätzung, Home Bias weltweit gestreuter ETF
5. Hohe Kosten unterschätzen Kosten sind unsichtbar TER und Ordergebühren vergleichen
6. Hypes und Hebelprodukten hinterherlaufen FOMO, Herdentrieb Spielgeld-Regel, kein Hebel
7. Zu oft ins Depot schauen und handeln Verlustaversion, Selbstüberschätzung feste Termine, wenige Transaktionen
8. Finfluencern blind folgen Herdentrieb, Bestätigungsfehler Interessenkonflikte prüfen, eigenen Plan behalten

Fehler 1: Ohne Notgroschen investieren

Wer sein gesamtes Erspartes investiert, muss bei der nächsten Autoreparatur oder bei Jobverlust Wertpapiere verkaufen, womöglich mitten in einem Kurstief. Das ist besonders tückisch, weil Krisen an der Börse und im Job oft zusammenfallen. In einer Rezession sinken die Kurse, und gleichzeitig steigt das Risiko, arbeitslos zu werden.

Beispiel: Tim hat 8.000 Euro in einen Welt-ETF investiert und kein Geld auf dem Tagesgeld. Die Börse fällt um 30 Prozent, sein Depot ist noch 5.600 Euro wert. Genau jetzt geht sein Auto kaputt, die Reparatur kostet 2.000 Euro. Tim muss ETF-Anteile verkaufen, die er vor wenigen Monaten noch für rund 2.860 Euro gekauft hat. Hätte er einen Notgroschen gehabt, hätte er den Rückgang einfach aussitzen können.

Die Lösung: Erst einen Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeld aufbauen. Wie hoch deiner sein sollte, zeigt der Notgroschen-Rechner. Ein Grundpolster von ein bis zwei Monatsausgaben reicht, um parallel mit einem kleinen Sparplan zu starten.

Fehler 2: In Krisen verkaufen

Panikverkäufe sind der teuerste Anfängerfehler, weil sie aus einem vorübergehenden Buchverlust einen endgültigen Verlust machen. Im Februar und März 2020 fiel der MSCI World in wenigen Wochen um rund ein Drittel. Wer aus Angst verkaufte, machte den Verlust endgültig. Wer durchhielt, sah den Index Ende 2020 wieder über dem Stand vom Jahresanfang.

Warum Verluste so schwer aufzuholen sind

Ein Verlust in Prozent braucht einen größeren Gewinn in Prozent, um ihn wieder aufzuholen. Das liegt daran, dass der Gewinn auf einer kleineren Basis entsteht.

Verlust Nötiger Gewinn, um den Verlust aufzuholen
−10 % +11,1 %
−20 % +25,0 %
−30 % +42,9 %
−40 % +66,7 %
−50 % +100,0 %
−53,6 % (größter Einbruch des MSCI World in Euro) +115,5 %

Diese Tabelle erklärt, warum Verkaufen so gefährlich ist. Wer bei −30 Prozent aussteigt und erst wieder einsteigt, wenn „sich die Lage beruhigt hat“, kauft oft zu höheren Kursen zurück. Dann fehlt ihm genau die Erholung, die den Verlust wieder ausgeglichen hätte.

Was ein Panikverkauf konkret kosten kann

Anna und Ben haben je 20.000 Euro im selben Welt-ETF. Die Börse fällt um 30 Prozent, beide Depots sind noch 14.000 Euro wert. Ben verkauft und parkt das Geld auf dem Tagesgeld. Anna tut nichts. Ein Jahr später hat sich der Markt vollständig erholt: Annas Depot steht wieder bei 20.000 Euro. Ben hat seine 14.000 Euro plus etwas Zinsen, und er muss jetzt entscheiden, ob er zu höheren Kursen wieder einsteigt. Der Verlust von 6.000 Euro ist bei ihm real geworden.

Der Sparplan im Crash

Wer im Crash seinen Sparplan weiterlaufen lässt, kauft mit derselben Rate mehr Anteile. Ein vereinfachtes Beispiel mit 200 Euro im Monat und einem fiktiven ETF, der von 100 Euro auf 60 Euro fällt und sich dann wieder erholt:

Monat Kurs Gekaufte Anteile
1 100 € 2,00
2 80 € 2,50
3 60 € 3,33
4 60 € 3,33
5 80 € 2,50
6 100 € 2,00
Summe 15,67 Anteile für 1.200 €

Der Kurs steht am Ende genau da, wo er angefangen hat. Die 15,67 Anteile sind aber rund 1.567 Euro wert, ein Plus von gut 30 Prozent. Der durchschnittliche Kaufpreis lag bei rund 76,60 Euro. Genau deshalb ist es so wertvoll, im Crash nicht zu stoppen. In der Realität verlaufen Erholungen natürlich nicht so glatt und können Jahre dauern.

Die Lösung: Lege vorher fest, dass du in Krisen nicht verkaufst, und investiere nur Geld, das du mindestens zehn Jahre nicht brauchst. Wähle eine Aktienquote, die du auch bei einem Einbruch um die Hälfte durchhältst. Wie du sie findest, erklärt der Ratgeber zum ETF-Portfolio. Und halte deine Regeln schriftlich fest, dazu mehr in der Vorlage weiter unten.

Fehler 3: Den perfekten Einstieg abpassen

„Ich warte, bis die Kurse fallen“: So verpassen viele jahrelang den Einstieg. Das Abpassen des richtigen Zeitpunkts heißt Market Timing. Es klingt logisch, scheitert aber daran, dass niemand den Markt zuverlässig vorhersagen kann, auch Profis nicht.

Warum Market Timing so schwer ist

Um erfolgreich zu timen, musst du zweimal richtig liegen: beim Ausstieg und beim Wiedereinstieg. Wer im richtigen Moment verkauft, aber zu spät zurückkommt, steht am Ende oft schlechter da als jemand, der einfach investiert geblieben ist. Zudem liegen einige der besten Börsentage oft direkt nach den schlechtesten, mitten in der Krise, wenn die Stimmung am düstersten ist. Wer die verpasst, verliert viel Rendite.

Beispiel: Warten auf den Rücksetzer

Anna investiert, als ein Welt-ETF bei 100 Euro steht. Ben findet die Kurse zu hoch und wartet auf einen Rücksetzer. Der ETF steigt in den folgenden zwei Jahren auf 120 Euro. Dann kommt endlich die Korrektur um 10 Prozent, der Kurs fällt auf 108 Euro. Ben kauft zufrieden „im Tief“. Trotzdem zahlt er 8 Prozent mehr als Anna, die einfach angefangen hat. Und hätte es die Korrektur nie gegeben, würde Ben vielleicht heute noch warten.

Was ist mit einer Einmalanlage?

Hast du einen größeren Betrag, etwa eine Erbschaft, ist die Angst vor dem falschen Zeitpunkt besonders groß. Zwei Wege sind vernünftig: den Betrag auf einmal investieren oder ihn über einige Monate verteilen, zum Beispiel über 6 bis 12 Monate. Historisch hat die Einmalanlage häufiger vorn gelegen, weil Märkte langfristig öfter steigen als fallen. Die Verteilung kann aber helfen, besser zu schlafen. Wichtig ist nur, dass du dich für einen Plan entscheidest und ihn umsetzt, statt auf den perfekten Moment zu warten.

Die Lösung: Ein Sparplan investiert jeden Monat automatisch, ganz ohne Bauchgefühl. Was aus deiner Rate über die Jahre werden kann, zeigt der Sparplan-Rechner. Warum früh anfangen so viel bringt, erklärt der Ratgeber Warum investieren?.

Fehler 4: Zu wenig streuen

Viele Einsteiger kaufen ein paar bekannte Aktien, oft aus dem eigenen Land. Das fühlt sich sicher an, weil man die Firmen kennt. In Wahrheit bündelt es das Risiko. Dahinter stecken zwei verwandte Fehler: das Klumpenrisiko und der Home Bias.

Klumpenrisiko: Zu viel auf eine Karte

Ein Klumpenrisiko entsteht, wenn ein großer Teil deines Vermögens von einer einzigen Aktie, Branche oder Region abhängt. Eine einzelne Aktie kann auch komplett wertlos werden. Die Pleite des Zahlungsdienstleisters Wirecard im Jahr 2020 hat gezeigt, dass das auch bei einem Unternehmen aus dem DAX passieren kann, dem wichtigsten deutschen Aktienindex.

Beispiel: Steckt 60 Prozent deines Depots in einer einzigen Aktie und fällt diese um 70 Prozent, verliert dein gesamtes Depot allein dadurch 42 Prozent. In einem breit gestreuten Welt-ETF hätte derselbe Absturz eines Unternehmens kaum einen spürbaren Unterschied gemacht.

Ein besonderer Fall sind Aktien des eigenen Arbeitgebers, etwa über ein Mitarbeiterprogramm. Gerät die Firma in Schwierigkeiten, fallen die Aktie und oft auch dein Job gleichzeitig. Einkommen und Vermögen hängen dann am selben Faden. Mitarbeiteraktien können attraktiv sein, sollten aber nur einen kleinen Teil deines Vermögens ausmachen.

Auch in ETFs kann ein Klumpenrisiko stecken: Wer drei Technologie-ETFs und einen Welt-ETF kombiniert, ist am Ende sehr stark in wenigen großen US-Technologieunternehmen investiert. Mehr ETFs bedeuten nicht automatisch mehr Streuung.

Home Bias: Die Vorliebe für das Vertraute

Der Home Bias beschreibt die Neigung, Aktien aus dem eigenen Land zu bevorzugen. Deutsche Anleger kaufen gern DAX-Werte, amerikanische bevorzugen US-Aktien. Deutschland macht aber nur einen kleinen Teil der weltweiten Börsenwerte aus. Wer nur heimische Aktien hält, verzichtet auf viele Branchen und Regionen und ist stark von der Entwicklung einer einzigen Volkswirtschaft abhängig.

Dazu kommt: Dein Einkommen, deine gesetzliche Rente und oft auch deine Immobilie hängen ohnehin schon an der deutschen Wirtschaft. Ein Depot, das ebenfalls nur auf Deutschland setzt, verstärkt dieses Risiko noch.

Die Lösung: Ein weltweit gestreuter ETF verteilt dein Geld auf Tausende Unternehmen in vielen Ländern. Einzelaktien können eine Ergänzung sein. Als Faustregel gilt: Keine einzelne Aktie sollte mehr als etwa 5 bis 10 Prozent deines Depots ausmachen. Wer sich für Einzelaktien interessiert, findet im Ratgeber zur Dividendenstrategie Kriterien für die Auswahl und eine Kern-Satellit-Aufteilung.

Fehler 5: Hohe Kosten unterschätzen

Ein Prozentpunkt Kosten klingt wenig. Über Jahrzehnte macht er aber einen großen Unterschied. Kosten sind psychologisch tückisch, weil du sie nicht direkt siehst. Die laufenden Kosten eines Fonds (TER, Total Expense Ratio) werden still aus dem Fondsvermögen entnommen, du bekommst keine Rechnung.

Ein Beispiel mit 10.000 Euro Einmalanlage, 6 Prozent Rendite vor Kosten und 20 Jahren Laufzeit:

Laufende Kosten pro Jahr Endwert nach 20 Jahren
0,14 % (günstiger Welt-ETF) rund 31.235 €
0,20 % rund 30.883 €
1,50 % (typischer aktiv gemanagter Fonds) rund 24.117 €

Der teure Fonds kostet dich in diesem Beispiel mehr als 7.000 Euro. Und das, obwohl die meisten aktiv gemanagten Fonds ihren Vergleichsindex über lange Zeiträume nicht schlagen.

Die versteckten Kosten

Neben der TER gibt es weitere Kosten, die Einsteiger oft übersehen:

  • Ordergebühren: Bei vielen Neobrokern rund 1 Euro pro Order, bei Filialbanken oft deutlich mehr. Bei kleinen Beträgen wirkt das stark: 1 Euro Gebühr auf 50 Euro Kaufsumme sind schon 2 Prozent.
  • Spread: die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs, die bei jeder Order anfällt.
  • Ausgabeaufschläge: Bei klassischen Fonds von der Bank werden teils mehrere Prozent beim Kauf fällig.
  • Depotgebühren: Bei manchen Banken kostet schon die Verwahrung Geld.

Die Lösung: Achte auf niedrige laufende Kosten (TER), einen günstigen Broker und kostenlose Sparpläne. Welt-ETFs gibt es mit einer TER von etwa 0,10 bis 0,25 Prozent. Einen Überblick über günstige Anbieter gibt der Broker-Vergleich. Wie stark Kosten und Steuern deine Rendite schmälern, kannst du im Brutto-Netto-Vergleich durchspielen.

Fehler 6: Hypes und Hebelprodukten hinterherlaufen

Ob Kryptowährungen, KI-Aktien oder der Tipp aus dem Freundeskreis: Wenn ein Thema überall präsent ist, sind die Kurse oft schon stark gestiegen. Wer spät einsteigt, trägt das größte Risiko. Richtig gefährlich wird es, wenn der Hype mit einem Hebel kombiniert wird.

Warum Hypes selten gut enden

Dass eine Technologie die Welt verändert, heißt nicht, dass ihre Aktien eine gute Anlage sind. Die Erwartungen sind in einem Hype oft schon im Kurs enthalten, meist sogar übertrieben. Schon eine kleine Enttäuschung kann dann zu starken Kursverlusten führen. Hinzu kommt: Von vielen Firmen eines Booms überleben nur wenige. Welche das sein werden, weiß vorher niemand.

Typische Warnsignale für einen Hype:

  • Menschen, die sich sonst nie für Geld interessieren, reden über eine bestimmte Anlage.
  • Der Kurs ist in kurzer Zeit um ein Vielfaches gestiegen.
  • Kritische Stimmen werden als ahnungslos abgetan, es heißt: „Diesmal ist alles anders.“
  • Es gibt kaum Umsatz oder Gewinn, aber eine große Geschichte.

Hebelprodukte: Gewinne und Verluste verstärkt

Hebelprodukte wie Knock-out-Zertifikate, Optionsscheine, CFDs oder gehebelte ETFs vervielfachen die Bewegung eines Basiswerts, zum Beispiel einer Aktie oder eines Index. Das klingt verlockend, verstärkt aber auch die Verluste.

Beispiel Knock-out: Eine Aktie kostet 100 Euro. Du kaufst ein Knock-out-Zertifikat mit einer Schwelle bei 90 Euro, das rund 10 Euro kostet. Vereinfacht gerechnet ohne Finanzierungskosten gilt:

Aktie Wert des Zertifikats Ergebnis
steigt auf 105 € (+5 %) etwa 15 € +50 %
fällt auf 95 € (−5 %) etwa 5 € −50 %
fällt auf 90 € (−10 %) wertlos (Knock-out) −100 %

Fünf Prozent Kursbewegung entscheiden hier über die Hälfte deines Einsatzes. Und eine Bewegung, die bei einer Aktie völlig normal ist, reicht für einen Totalverlust. Selbst wenn sich die Aktie danach erholt, ist das Zertifikat weg.

Beispiel gehebelter ETF: Viele gehebelte ETFs verdoppeln die tägliche Bewegung eines Index. Steigt der Index an einem Tag um 10 Prozent und fällt am nächsten um 10 Prozent, liegt er bei 99 Prozent des Startwerts, also bei −1 Prozent. Der zweifach gehebelte ETF steigt erst um 20 Prozent und fällt dann um 20 Prozent: Er landet bei 96 Prozent, also bei −4 Prozent. In Seitwärtsphasen mit starken Schwankungen verliert ein gehebeltes Produkt so dauerhaft an Wert, selbst wenn der Index am Ende gleich steht.

Die Finanzaufsicht verlangt bei CFDs, dass Anbieter offenlegen, wie viele Privatkunden damit Geld verlieren. Diese Anteile sind regelmäßig sehr hoch. Wer so ein Produkt anbietet, lebt davon, dass du handelst, nicht davon, dass du gewinnst.

Die Lösung: Setze auf eine langweilige Basis aus breit gestreuten ETFs. Wenn du unbedingt spekulieren willst, dann nur mit einem kleinen Teil, dessen Verlust du verkraften kannst, zum Beispiel höchstens 5 bis 10 Prozent deines Depots als „Spielgeld“. Hebelprodukte lässt du als Einsteiger ganz weg.

Fehler 7: Zu oft ins Depot schauen und handeln

Wer täglich auf die Kurse schaut, sieht ständig rote Zahlen und fühlt sich zum Handeln gedrängt. Breit gestreute Aktienmärkte schwanken von Tag zu Tag fast zufällig. Auf lange Sicht ist die Wahrscheinlichkeit für ein Plus deutlich höher als an einem einzelnen Tag. Je kürzer der Blick, desto mehr Minus siehst du, und desto stärker wirkt die Verlustaversion.

Was häufiges Handeln kostet

Jeder Kauf und Verkauf kostet Gebühren und Spread. Gewinne werden beim Verkauf versteuert. Ein Rechenbeispiel mit einem Depot von 10.000 Euro, in dem du im Jahr 25-mal kaufst und 25-mal verkaufst, jeweils für 2.000 Euro:

  • Ordergebühren: 50 Orders zu je 1 Euro, also 50 Euro
  • Spread: angenommen 0,1 Prozent pro Order, also 2 Euro je Order, zusammen 100 Euro
  • Summe: 150 Euro oder 1,5 Prozent deines Depots pro Jahr, noch ohne Steuern

Damit kostet dich dein Handeln mehr als das Siebenfache der TER eines günstigen Welt-ETFs mit 0,20 Prozent. Dazu kommt der Steuereffekt: Wer Gewinne realisiert, zahlt oberhalb des Sparerpauschbetrags sofort Abgeltungsteuer, zusammen mit dem Solidaritätszuschlag 26,375 Prozent. Beim langfristigen Halten fällt die Steuer auf Kursgewinne dagegen erst beim Verkauf an, bis dahin arbeitet das Geld weiter. Wie das genau funktioniert, erklärt der Ratgeber zur Abgeltungsteuer.

Wie oft ist sinnvoll?

Blick ins Depot Was du tust
täglich besser abgewöhnen, App-Benachrichtigungen ausschalten
einmal im Monat kurz prüfen, ob der Sparplan ausgeführt wurde
einmal im Jahr in Ruhe prüfen: Sparrate, Aufteilung, Freistellungsauftrag, Ziele
bei Lebensereignissen Plan anpassen: neuer Job, Kind, Umzug, Erbschaft

Die Lösung: Schau höchstens einmal im Monat ins Depot. Einmal im Jahr prüfst du in Ruhe, ob dein Plan noch zu deinem Leben passt. Lösche die Broker-App vom Startbildschirm oder schalte Kursalarme aus. Das klingt banal, wirkt aber erstaunlich gut.

Fehler 8: Finfluencern blind folgen

Finfluencer sind Menschen, die in sozialen Netzwerken, auf Videoplattformen oder in Podcasts über Geld und Geldanlage sprechen. Viele liefern gute Grundlagen und haben Einsteigern den Weg an die Börse erleichtert. Das Problem entsteht, wenn du ihnen ungeprüft folgst.

Warum Vorsicht angebracht ist

  • Interessenkonflikte: Viele verdienen Geld über Provisionen, wenn du über ihren Link ein Depot eröffnest oder ein Produkt kaufst. Andere verkaufen eigene Kurse oder Mitgliedschaften. Das ist nicht verboten, beeinflusst aber, was empfohlen wird.
  • Eigene Positionen: Wer eine kleine Aktie selbst hält und sie vor großem Publikum lobt, profitiert, wenn Follower kaufen.
  • Aufmerksamkeit statt Qualität: Algorithmen belohnen steile Thesen, Kursziele und Dramatik. Ein Video mit dem Titel „Kauf einen Welt-ETF und warte 20 Jahre“ bekommt weniger Klicks als „Diese Aktie wird sich verzehnfachen“.
  • Überlebende Erfolgsgeschichten: Du siehst die Menschen, deren Wetten aufgegangen sind. Die vielen anderen posten nichts mehr.
  • Betrug: Gefälschte Werbung mit bekannten Gesichtern, angebliche Trading-Gruppen in Messengern oder Plattformen mit garantierten Renditen sind eine reale Gefahr.

So prüfst du eine Quelle

  1. Gibt es ein Impressum und ist klar, wer dahintersteht?
  2. Wird Werbung gekennzeichnet und werden Provisionen offengelegt?
  3. Werden Risiken genannt, oder klingt alles nach sicherem Gewinn?
  4. Wird mit festen Renditen pro Monat oder schnellem Reichtum geworben? Dann Finger weg.
  5. Stimmt die Empfehlung mit unabhängigen Quellen überein, etwa Verbraucherzentralen oder offiziellen Stellen?

Die Lösung: Nutze Finfluencer als Anregung, nicht als Anlageberater. Jede Idee muss durch den Filter deiner eigenen Anlagerichtlinie. Passt sie nicht hinein, kaufst du sie nicht, egal wie überzeugend das Video war. Wer tiefer einsteigen möchte, ist mit einem guten Buch oft besser bedient als mit kurzen Clips. Das Buch Reich durch Dividenden etwa widmet sich auch dem Verhalten in Krisen.

Dein Schutzschild: eine schriftliche Anlagerichtlinie

Am besten schützt du dich mit einem einfachen Plan, den du aufschreibst, bevor du investierst. Profis nennen das Anlagerichtlinie oder Investment Policy Statement. Die Idee: Du triffst die wichtigen Entscheidungen in einem ruhigen Moment und legst fest, was du in stürmischen Zeiten tust. In der Krise liest du diesen Plan und nicht die Schlagzeilen.

Die kurze Fassung besteht aus vier Fragen:

  1. Wie hoch ist mein Notgroschen?
  2. Wofür investiere ich und wie lange?
  3. In welchen ETF fließt mein Sparplan, mit welcher Rate?
  4. Was tue ich, wenn mein Depot 30 Prozent im Minus steht? (Antwort: nichts verkaufen, Sparplan weiterlaufen lassen.)

Vorlage für deine Anlagerichtlinie

Die ausführliche Fassung passt auf eine Seite. Übertrage die Tabelle in ein Dokument oder auf Papier, fülle die mittlere Spalte aus und unterschreibe mit Datum. Die rechte Spalte zeigt ein fiktives Beispiel.

Punkt Deine Festlegung Beispiel
Ziel ______ Altersvorsorge, Vermögensaufbau
Anlagehorizont ______ Jahre 30 Jahre
Notgroschen ______ € auf Tagesgeld bei ______ 6.000 € auf Tagesgeld
Aktienquote ______ % Aktien-ETF, ______ % sicher 80 % Welt-ETF, 20 % Tagesgeld
Produkte ETF-Name und ISIN: ______ ein All-World-ETF, TER unter 0,25 %
Sparrate ______ € am ______ des Monats 250 € am 2. des Monats
Spielgeld höchstens ______ % für Einzelaktien höchstens 10 %, keine Hebelprodukte
Einzelne Positionen keine Aktie über ______ % keine über 5 %
Überprüfung einmal im Jahr am ______ jedes Jahr im Januar
Rebalancing wenn Abweichung über ______ Prozentpunkte mehr als 5 Prozentpunkte, über die Sparrate
Verhalten im Crash ______ nichts verkaufen, Sparplan läuft weiter
Gründe für Änderungen nur bei ______ Jobwechsel, Kind, Erbschaft, Rentennähe
Verkauf nur wenn ______ Geld wird für das Ziel gebraucht oder Rebalancing

Wichtig ist die letzte Zeile: Gründe für einen Verkauf sind Veränderungen in deinem Leben oder deinem Ziel, nicht Schlagzeilen oder Kursbewegungen. Und Änderungen an der Richtlinie selbst nimmst du nur in ruhigen Zeiten vor, nie mitten im Crash.

Wenn du noch nicht weißt, welche Aktienquote zu dir passt, hilft der Ratgeber zum Anlagehorizont. Für den technischen Einstieg, vom Depot bis zur ersten Order, gibt es die Anleitung Aktien kaufen für Anfänger.

Crash-Checkliste: Was du tust, wenn die Börse fällt

Irgendwann wird dein Depot deutlich im Minus stehen. Das ist keine Frage des Ob, sondern des Wann. Welt-Aktienindizes sind in der Vergangenheit immer wieder um die Hälfte eingebrochen. Druck dir diese Liste aus oder speichere sie, damit du sie dann zur Hand hast.

  1. Durchatmen und nichts überstürzen. Keine Entscheidung am Tag eines großen Kursrutsches. Schlaf mindestens eine Nacht darüber.
  2. Anlagerichtlinie lesen. Was hast du dir in ruhigen Zeiten für genau diesen Fall vorgenommen?
  3. Notgroschen prüfen. Ist deine Reserve vollständig? Dann musst du nichts verkaufen, egal wie tief die Kurse fallen.
  4. Anlagehorizont prüfen. Brauchst du das Geld in den nächsten Jahren? Wenn nein, hat sich an deiner Situation nichts geändert, nur am Kurs.
  5. Sparplan weiterlaufen lassen. Du kaufst jetzt mehr Anteile für dasselbe Geld.
  6. Nachrichtenkonsum begrenzen. Schalte Push-Nachrichten der Broker-App und Nachrichten-Apps für einige Wochen aus.
  7. In Prozent vom Plan denken, nicht in Euro. Ein Minus von 8.000 Euro klingt schlimmer als „mein Depot schwankt gerade so, wie ich es erwartet habe“.
  8. Keine neuen Produkte kaufen. Keine Hebelprodukte, um Verluste „schnell zurückzuholen“, keine Absicherungen, die du nicht verstehst.
  9. Wenn möglich: Rebalancing nach Plan. Liegt deine Aktienquote deutlich unter dem Ziel, kannst du laut Richtlinie aus dem sicheren Teil nachkaufen. Das ist emotional schwer, aber genau dafür gibt es die Regel.
  10. Notizen machen. Schreib auf, wie du dich fühlst und was du tust. Beim nächsten Crash hilft dir das enorm.

Wenn es dich trotzdem zerreißt, ist das ein Hinweis, dass deine Aktienquote zu hoch ist. Senke sie dann aber nicht mitten im Crash, sondern nach der Erholung, in Ruhe und nach Plan.

Häufige Fragen

Was sind die häufigsten Anfängerfehler beim Investieren?

Am teuersten sind Panikverkäufe in Krisen, Investieren ohne Notgroschen und der Versuch, den perfekten Einstieg abzupassen. Dazu kommen zu wenig Streuung, hohe Kosten, Hypes und Hebelprodukte, zu häufiges Handeln und das blinde Vertrauen in Finfluencer. Hinter fast allen stecken Denkfallen wie Verlustaversion, Herdentrieb und Selbstüberschätzung.

Was versteht man unter Börsenpsychologie?

Börsenpsychologie ist ein Teil der Verhaltensökonomie. Sie untersucht, warum Anleger von rationalen Entscheidungen abweichen, etwa weil Verluste stärker schmerzen als gleich hohe Gewinne freuen oder weil wir der Masse folgen. Wer diese Muster kennt, kann sich mit festen Regeln, einem Sparplan und einer schriftlichen Anlagerichtlinie vor teuren Fehlern schützen.

Soll ich meinen Sparplan in einem Börsencrash stoppen?

In der Regel nein. Im Crash kaufst du mit derselben Rate mehr Anteile zu niedrigeren Kursen. Wer den Sparplan weiterlaufen lässt, profitiert besonders, wenn sich die Kurse später erholen. Nur wenn dein Notgroschen aufgebraucht ist, solltest du die Rate anpassen.

Wie oft sollte ich mein Depot anschauen?

Einmal im Monat reicht völlig, um zu sehen, ob der Sparplan ausgeführt wurde. Einmal im Jahr lohnt sich ein genauerer Blick: Passen Sparrate, Aufteilung und Ziele noch? Wer täglich schaut, sieht häufiger rote Zahlen und neigt eher zu unüberlegten Käufen und Verkäufen.

Ist es ein Fehler, mit Einzelaktien anzufangen?

Nicht zwingend, aber riskanter. Einzelaktien brauchen Zeit für Recherche und sind weniger gestreut. Für die meisten Einsteiger ist ein breit gestreuter ETF die bessere Basis. Einzelaktien können später eine kleine Ergänzung sein, wobei keine einzelne Aktie mehr als etwa 5 bis 10 Prozent des Depots ausmachen sollte.

Sind Hebelprodukte für Anfänger geeignet?

Nein. Knock-out-Zertifikate, Optionsscheine, CFDs und gehebelte ETFs verstärken Gewinne und Verluste. Schon eine normale Kursbewegung kann zum Totalverlust führen, und gehebelte ETFs verlieren in schwankenden Seitwärtsphasen an Wert. Einsteiger sollten ganz darauf verzichten und ihr Geld in breit gestreute ETFs investieren.

Wie erkenne ich unseriöse Finfluencer?

Warnsignale sind versprochene feste Renditen, Druck zum schnellen Kauf, fehlendes Impressum, nicht gekennzeichnete Werbung und Einladungen in Trading-Gruppen auf Messengern. Seriöse Quellen nennen Risiken, legen Provisionen offen und empfehlen eher langweilige, breit gestreute Lösungen. Nutze Inhalte als Anregung, aber entscheide nach deiner eigenen Anlagerichtlinie.

Fazit

Die meisten Anfängerfehler haben nichts mit Fachwissen zu tun, sondern mit Emotionen. Verlustaversion, Herdentrieb, Selbstüberschätzung, Anker und der Bestätigungsfehler lassen sich nicht abschalten, aber durch feste Regeln entschärfen. Ein Notgroschen, ein weltweit gestreuter ETF mit niedrigen Kosten, ein automatischer Sparplan und eine schriftliche Anlagerichtlinie schützen dich vor den teuersten Fallen. Für den nächsten Crash hast du die Checkliste. Entscheidend ist nicht, jeden Fehler für immer zu vermeiden, sondern ihn früh zu erkennen und nicht mit großen Beträgen zu wiederholen. Wer langweilig investiert und dabeibleibt, hatte in der Vergangenheit meist die besten Karten.

Wie du deine Aufteilung zwischen Aktien und sicheren Anlagen konkret festlegst, zeigt der Ratgeber ETF-Portfolio zusammenstellen. Wenn das Fundament steht, geht es weiter mit der Frage: Was ist eigentlich ein ETF?

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Mehr erfahren