Was ist der Anlagehorizont?
Der Anlagehorizont beschreibt, wie lange du Geld anlegen kannst, ohne darauf zugreifen zu müssen. Fachleute sprechen auch von Anlagedauer oder Laufzeit. Gemeint ist nicht, wie lange du insgesamt an der Börse bist, sondern wann du einen bestimmten Betrag voraussichtlich wieder ausgeben willst oder musst.
Der Anlagehorizont ist keine feste Eigenschaft von dir als Person, sondern hängt vom Ziel ab. Die meisten Menschen haben mehrere Sparziele mit unterschiedlichen Horizonten gleichzeitig:
- der Urlaub im nächsten Sommer (1 Jahr),
- ein neues Auto in vier Jahren,
- die Altersvorsorge in 30 Jahren.
Für jedes dieser Ziele ist eine andere Anlage sinnvoll. Deshalb lohnt es sich, deine Ziele einmal aufzuschreiben und jedem einen Zeitraum zuzuordnen. Die Frage „Welcher Anlagetyp bin ich?“ führt oft in die Irre. Besser lautet sie: „Wann brauche ich welches Geld?“
Warum der Anlagehorizont so wichtig ist
Zusammen mit deiner Risikobereitschaft entscheidet der Anlagehorizont darüber, welche Geldanlage zu einem Ziel passt. Er beantwortet eine ganz praktische Frage: Wie viel Zeit hat dein Geld, um sich von einem Kurseinbruch zu erholen?
Hast du diese Zeit nicht, kann schon ein einziges schlechtes Börsenjahr deinen Plan durcheinanderbringen. Hast du sie, werden kurzfristige Schwankungen zu einer Nebensache. Wer versteht, warum sich Investieren überhaupt lohnt, sollte deshalb als Nächstes klären, welches Geld wie lange arbeiten darf.
Anlagehorizont ist nicht gleich Lebensalter
Ein häufiges Missverständnis: Junge Menschen hätten automatisch einen langen, ältere einen kurzen Anlagehorizont. Das stimmt nur zum Teil. Eine 25-Jährige, die in zwei Jahren eine Wohnung kaufen will, hat für dieses Geld einen kurzen Horizont. Ein 60-Jähriger, der einen Teil seines Vermögens erst mit 80 braucht oder vererben möchte, hat für diesen Teil einen langen Horizont.
Das Alter ist also ein Hinweis, aber keine Antwort. Entscheidend ist immer der Zeitpunkt, zu dem das konkrete Geld gebraucht wird.
Kurz, mittel, lang: Welche Anlage passt zu welchem Horizont?
Üblich ist die Einteilung in drei Bereiche. Die Grenzen sind fließend, aber als Orientierung haben sie sich bewährt:
| Anlagehorizont | Typische Ziele | Passende Anlage | Aktienanteil (Orientierung) |
|---|---|---|---|
| kurz: unter 3 Jahren | Notgroschen, Urlaub, Möbel, Umzug | Tagesgeld, Festgeld | 0 % |
| mittel: 3 bis 10 Jahre | Auto, Hochzeit, Eigenkapital für eine Wohnung, Weiterbildung | Mischung aus Tages- oder Festgeld und breit gestreuten ETFs | etwa 0–60 %, je nach Dauer und Wichtigkeit |
| lang: über 10 Jahre | Altersvorsorge, Vermögensaufbau, Kindervorsorge | überwiegend breit gestreute Aktien-ETFs | oft 60–100 %, je nach Verlusttoleranz |
Im mittleren Bereich hängt die Aufteilung davon ab, wie wichtig dir das Ziel ist. Muss das Geld für die Anzahlung einer Wohnung in sechs Jahren sicher da sein, wählst du einen höheren sicheren Anteil als beim „schönen, aber verschiebbaren“ Wohnmobil.
Kurzfristiger Anlagehorizont: Sicherheit vor Rendite
Geld, das du in den nächsten ein bis drei Jahren brauchst, hat keine Zeit, einen Kurseinbruch auszusitzen. Hier zählt, dass der Betrag zum Stichtag verlässlich da ist. Rendite ist zweitrangig.
- Tagesgeld: Du kommst jederzeit an dein Geld. Guthaben bei Banken in der EU sind über die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank geschützt.
- Festgeld: Das Geld ist für eine feste Laufzeit gebunden, zum Beispiel ein oder zwei Jahre. Dafür ist der Zins für diese Zeit festgeschrieben. Passt gut, wenn du den Auszahlungstermin genau kennst.
- Geldmarkt-ETFs: Sie legen in sehr kurzfristige Zinspapiere an und schwanken kaum. Als Sondervermögen sind sie bei einer Pleite des Anbieters geschützt, fallen aber nicht unter die Einlagensicherung.
Aktien-ETFs sind für diesen Zeitraum ungeeignet. Nicht weil sie schlecht wären, sondern weil ein Einbruch von 20 oder 30 Prozent kurz vor dem Stichtag realistisch ist.
Mittelfristiger Anlagehorizont: die Mischung macht es
Zwischen drei und zehn Jahren wird es interessant. Die Zeit reicht, um mit etwas Aktienanteil mehr Rendite als auf dem Tagesgeld anzustreben. Sie reicht aber nicht sicher, um einen großen Crash vollständig auszugleichen.
Eine sinnvolle Regel: Je näher das Ziel und je weniger verschiebbar es ist, desto kleiner der Aktienanteil. Bei acht Jahren bis zur Wohnungsanzahlung kann ein Teil in einem Welt-ETF liegen. Bei vier Jahren bis zum Autokauf ist der Aktienanteil eher klein oder null.
Langfristiger Anlagehorizont: Zeit für Aktien
Ab etwa zehn Jahren, besser 15 Jahren und mehr, spielen breit gestreute Aktien-ETFs ihre Stärke aus. Kursschwankungen bleiben, aber die Wahrscheinlichkeit, am Ende mit Verlust dazustehen, war in der Vergangenheit bei weltweit gestreuten Indizes deutlich geringer als bei kurzen Zeiträumen. Was ein ETF genau ist und warum er so breit streut, erklärt unser Ratgeber Was ist ein ETF?.
Auch ein langer Horizont heißt nicht automatisch 100 Prozent Aktien. Wie hoch dein Anteil sein sollte, hängt zusätzlich davon ab, wie viel Verlust du aushältst. Dazu weiter unten mehr.
Warum Zeit Schwankungen glättet
Aktienkurse schwanken. In einzelnen Jahren sind Verluste von 20, 30 oder sogar 40 Prozent möglich. Über längere Zeiträume gleichen sich gute und schlechte Jahre aber zunehmend aus, weil die Unternehmen im Schnitt weiter wachsen und Gewinne erwirtschaften.
Bei einem weltweit gestreuten Aktienindex wie dem MSCI World gab es in der Vergangenheit kaum Zeiträume von 15 Jahren, in denen Anleger unterm Strich Geld verloren haben. Bei einem Jahr Anlagedauer dagegen war ein Verlust keine Seltenheit. Eine Garantie für die Zukunft ist das nicht, aber es zeigt das Prinzip: Zeit ist dein wichtigster Risikopuffer.
Ein Rechenbeispiel: Wie sich ein Einbruch über die Jahre verteilt
Stell dir vor, dein Depot fällt im ersten Jahr um 30 Prozent. Danach steigt es in jedem weiteren Jahr um 7 Prozent. Die Zahlen sind ausgedacht und stark vereinfacht, zeigen aber gut, was Zeit bewirkt. Die Tabelle zeigt die durchschnittliche jährliche Rendite über die gesamte Anlagedauer:
| Anlagedauer | Durchschnittliche Rendite pro Jahr |
|---|---|
| 1 Jahr | −30,0 % |
| 3 Jahre | −7,1 % |
| 5 Jahre | −1,7 % |
| 10 Jahre | +2,6 % |
| 15 Jahre | +4,0 % |
| 20 Jahre | +4,8 % |
| 30 Jahre | +5,5 % |
Nach einem Jahr ist der Einbruch eine Katastrophe. Nach fünf Jahren liegst du immer noch leicht im Minus. Nach 20 Jahren ist er zwar noch spürbar, aber das Gesamtergebnis ist klar positiv. Der Crash verschwindet nicht, er verteilt sich nur auf immer mehr Jahre.
Was die großen Einbrüche zeigen
Welt-Aktienindizes sind in der Vergangenheit immer wieder um die Hälfte oder mehr eingebrochen. Laut den Factsheets von MSCI (Stand 31.08.2026, in Euro, netto) lagen die größten Einbrüche so:
| Index | Größter Einbruch | Nötiger Anstieg bis zum alten Stand |
|---|---|---|
| MSCI World | −53,6 % | rund +116 % |
| MSCI ACWI | −53,06 % | rund +113 % |
| MSCI Europe | −58,54 % | rund +141 % |
| MSCI Emerging Markets | −59,79 % | rund +149 % |
Die rechte Spalte zeigt eine unangenehme Wahrheit der Prozentrechnung: Nach einem Verlust von 50 Prozent muss sich ein Wert verdoppeln, also um 100 Prozent steigen, um wieder beim Ausgangspunkt zu sein. Nach minus 30 Prozent braucht es knapp 43 Prozent Plus. Solche Erholungen dauern oft Jahre.
Zur Einordnung: Wächst ein Depot nach einem Einbruch von 50 Prozent mit 6 Prozent pro Jahr, dauert es rein rechnerisch knapp zwölf Jahre bis zum alten Stand. Mit 7 Prozent sind es gut zehn Jahre. Das ist einer der Gründe, warum für reine Aktienanlagen oft mindestens zehn, besser 15 Jahre Anlagehorizont empfohlen werden. Wer per Sparplan weiter investiert, ist meist schneller wieder im Plus, weil er im Tief günstig nachkauft.
Der Startzeitpunkt verliert mit der Zeit an Gewicht
Die MSCI-Factsheets zeigen noch etwas: Der MSCI World kam in Euro in den zehn Jahren bis Ende August 2026 auf 12,53 Prozent pro Jahr. Seit Ende 2000 waren es 6,64 Prozent pro Jahr. Der längere Zeitraum beginnt mitten im Abschwung nach dem Platzen der Dotcom-Blase und enthält außerdem die Finanzkrise 2008. Trotzdem blieb über gut 25 Jahre eine deutlich positive Rendite.
Das heißt nicht, dass es immer so kommt. Es zeigt aber: Je länger du investiert bleibst, desto weniger hängt dein Ergebnis davon ab, ob du zufällig an einem guten oder schlechten Tag eingestiegen bist.
Grenzen: Zeit hilft nur mit Streuung
Wie wichtig breite Streuung dabei ist, zeigt Japan: Der Nikkei-225-Index erreichte 1989 einen Höchststand, den er erst 2024 wieder übertraf – nach rund 34 Jahren. Wer nur auf ein Land setzt, kann also auch über sehr lange Zeiträume enttäuscht werden. Ein weltweit gestreuter ETF verringert dieses Risiko. Die Unterschiede der gängigen Welt-Indizes erklären wir im Vergleich MSCI World vs. FTSE All-World.
Für Einzelaktien gilt das noch stärker. Ein einzelnes Unternehmen kann pleitegehen, dann hilft auch kein langer Anlagehorizont. Zeit glättet Schwankungen eines breiten Marktes, nicht das Risiko eines Totalverlusts bei einer einzelnen Firma.
Und die Inflation?
Auch „sicheres“ Geld hat ein Risiko, wenn es lange liegt: die Inflation, also die allgemeine Preissteigerung. Bei angenommenen 2 Prozent Inflation pro Jahr hat ein Betrag von 10.000 Euro nach zehn Jahren nur noch eine Kaufkraft von rund 8.200 Euro, nach 20 Jahren von rund 6.700 Euro, sofern er keine Zinsen bringt.
Beim kurzen Horizont ist das zu verschmerzen, dafür ist das Geld verlässlich da. Beim langen Horizont ist es ein echtes Problem. Wer Geld für die Rente über Jahrzehnte nur auf dem Konto liegen lässt, tauscht das Schwankungsrisiko gegen ein schleichendes Kaufkraftrisiko.
Das Töpfe-Prinzip: Deine Ziele sortieren
Weil jedes Ziel einen eigenen Anlagehorizont hat, hilft ein einfaches Bild: Du teilst dein Geld in Töpfe. Jeder Topf hat eine Aufgabe, einen Zeitpunkt und eine passende Anlage. Das schafft Klarheit, und du weißt in einem Börsencrash sofort, welches Geld betroffen ist und welches nicht.
| Topf | Aufgabe | Horizont | Anlage |
|---|---|---|---|
| 1: Notgroschen | unerwartete Ausgaben, Jobverlust | jederzeit | Tagesgeld |
| 2: Kurzfristige Ziele | Urlaub, Möbel, Jahresrechnungen | bis 3 Jahre | Tagesgeld, Festgeld |
| 3: Mittelfristige Ziele | Auto, Eigenkapital, Hochzeit | 3–10 Jahre | Mischung aus Zinsanlagen und ETFs |
| 4: Altersvorsorge und Vermögensaufbau | Ruhestand, finanzielle Freiheit | über 10 Jahre | überwiegend breit gestreute Aktien-ETFs |
Topf 1: der Notgroschen
Der Notgroschen ist das Fundament. Als Faustregel gelten drei bis sechs Monatsausgaben, für Selbstständige eher mehr. Er liegt auf einem Tagesgeldkonto und hat keinen Anlagehorizont im eigentlichen Sinn, weil ein Notfall jederzeit eintreten kann. Wie hoch deiner sein sollte, rechnest du mit dem Notgroschen-Rechner aus.
Der Notgroschen schützt auch deine anderen Töpfe: Ohne ihn müsstest du bei einer kaputten Waschmaschine womöglich ETF-Anteile verkaufen, und das vielleicht gerade in einem Kurstief.
Topf 2 und 3: planbare Ziele
Hier landen alle Ausgaben, die du absehen kannst. Schreib sie mit Betrag und Jahr auf. Ein neues Auto in fünf Jahren für 15.000 Euro, eine Hochzeit in drei Jahren für 8.000 Euro, Eigenkapital für eine Wohnung in acht Jahren. Für jedes Ziel kannst du ein eigenes Unterkonto beim Tagesgeld oder eine eigene Position im Depot anlegen.
Der Vorteil: Du siehst jederzeit, wie weit du bei jedem Ziel bist. Und du vermischst kein Geld mit unterschiedlichem Anlagehorizont.
Topf 4: das Langfrist-Depot
Das ist der Topf, der am meisten von der Zeit profitiert. Hier fließt dein monatlicher ETF-Sparplan hinein, und du lässt das Geld über Jahrzehnte arbeiten. Wie sich eine Rate entwickeln kann, zeigt ein Rechenbeispiel mit angenommenen 6 Prozent Rendite pro Jahr vor Kosten und Steuern:
| Monatliche Rate | Laufzeit | Eingezahlt | Mögliches Endvermögen (6 % p. a.) |
|---|---|---|---|
| 200 € | 30 Jahre | 72.000 € | rund 200.900 € |
| 300 € | 35 Jahre | 126.000 € | rund 427.400 € |
| 400 € | 25 Jahre | 120.000 € | rund 277.200 € |
Die Rendite ist eine Annahme, keine Zusage. Die Tabelle zeigt aber, wie stark die Laufzeit wirkt: Bei 300 Euro über 35 Jahre stammt mehr als die Hälfte des Endbetrags aus Erträgen, nicht aus Einzahlungen. Eigene Szenarien kannst du mit dem Sparplan-Rechner durchspielen.
Die Idee, Geld nach Aufgaben zu trennen, findet sich in vielen Ratgebern. Im Buch „Reich durch Dividenden“ beschreibt Kamil Roszkowski dazu ein Drei-Konten-Modell.
Anlagehorizont bestimmen: Schritt für Schritt
So legst du deinen persönlichen Anlagehorizont fest. Plane dafür eine Stunde ein, am besten mit Stift und Papier oder einer einfachen Tabelle.
- Notgroschen prüfen: Steht deine Reserve von drei bis sechs Monatsausgaben? Wenn nicht, ist das dein erstes Ziel.
- Ziele sammeln: Schreib alle größeren Ausgaben der nächsten Jahre und deine langfristigen Wünsche auf, auch unsichere.
- Betrag schätzen: Notiere für jedes Ziel, wie viel Geld du ungefähr brauchst.
- Zeitpunkt festlegen: Ordne jedem Ziel das Jahr zu, in dem du das Geld brauchst. Bei unsicheren Terminen nimmst du lieber den früheren.
- Wichtigkeit bewerten: Ist das Ziel verschiebbar oder fix? Eine Wohnungsanzahlung zum Notartermin ist fix, eine Weltreise lässt sich notfalls um ein Jahr verschieben.
- Töpfe bilden: Teile deine Ziele in kurz-, mittel- und langfristige Töpfe auf.
- Anlage wählen: Nutze die Tabelle oben als Orientierung und passe den Aktienanteil an deine Verlusttoleranz an.
- Umschichtplan notieren: Lege für mittelfristige Ziele fest, ab wann du Aktien schrittweise in sichere Anlagen umschichtest.
- Jährlich prüfen: Ändern sich Ziele oder Zeitpunkte, passt du die Aufteilung an.
Beispiel 1: Lena, 27, Berufseinsteigerin
Lena verdient seit zwei Jahren, wohnt zur Miete und hat 4.000 Euro auf dem Girokonto. Ihre Ausgaben liegen bei 1.500 Euro im Monat. Sie möchte in zwei Jahren eine Fernreise für 4.000 Euro machen und langfristig fürs Alter vorsorgen. Monatlich kann sie 400 Euro sparen.
- Notgroschen: Ziel 4.500 Euro (drei Monatsausgaben). Das vorhandene Geld wandert aufs Tagesgeld, dazu 100 Euro im Monat, bis das Ziel erreicht ist.
- Fernreise in zwei Jahren: kurzer Horizont, also 150 Euro im Monat aufs Tagesgeld-Unterkonto. Nach zwei Jahren sind 3.600 Euro zusammen. Die fehlenden 400 Euro legt sie aus den 100 Euro zurück, die nach dem Aufbau des Notgroschens frei werden.
- Altersvorsorge: Horizont rund 40 Jahre. 150 Euro im Monat fließen in einen Welt-ETF. Sobald Notgroschen und Reisekasse stehen, erhöht sie den Sparplan um weitere 100 Euro.
Beispiel 2: Familie Özdemir, beide Ende 30, zwei Kinder
Die Özdemirs haben 12.000 Euro Notgroschen, 25.000 Euro zusätzliches Erspartes und können 800 Euro im Monat zurücklegen. Ziele: ein Auto in vier Jahren (etwa 20.000 Euro), Eigenkapital für ein Haus in acht Jahren (etwa 60.000 Euro), Vorsorge für die Kinder und die eigene Rente.
| Ziel | Horizont | Anlage | Monatliche Rate |
|---|---|---|---|
| Auto | 4 Jahre | überwiegend Tagesgeld und Festgeld | 200 € |
| Haus-Eigenkapital | 8 Jahre | etwa 50 % Welt-ETF, 50 % Tagesgeld, ab Jahr 4 schrittweise umschichten | 300 € |
| Kinder | 12–15 Jahre | Welt-ETF | je 50 € |
| Rente | rund 25–30 Jahre | Welt-ETF | 200 € |
Die 25.000 Euro verteilen sie nach dem gleichen Prinzip: einen Teil als Grundstock für Auto und Haus auf Tagesgeld, einen Teil in den ETF. Wie sie ein Depot für die Kinder anlegen, erklärt unser Ratgeber zum Junior-Depot.
Beispiel 3: Petra, 56, Angestellte
Petra geht voraussichtlich mit 67 in Rente. Sie hat 80.000 Euro in einem Welt-ETF und 15.000 Euro Tagesgeld. Einen großen Einmalbetrag plant sie nicht, sie möchte ihre Rente ab 67 um monatlich einige Hundert Euro aufstocken.
Ihr Anlagehorizont ist nicht elf Jahre, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Das Geld wird über 20 Jahre oder mehr nach und nach entnommen. Der Teil, den sie erst mit 75 oder 80 braucht, hat also einen Horizont von 20 Jahren und mehr. Petra lässt deshalb einen großen Teil investiert und baut ab etwa 62 schrittweise einen sicheren Puffer für die ersten Rentenjahre auf.
Umschichten vor dem Geldbedarf
Ein Anlagehorizont wird mit der Zeit kürzer. Wer mit 35 für die Rente spart, hat 30 Jahre Zeit. Mit 60 sind es nur noch wenige Jahre bis zur ersten Auszahlung. Deshalb schichten viele Anleger in den letzten Jahren vor dem Ziel schrittweise in sicherere Anlagen um. So kann ein Börsencrash kurz vor dem Ziel nicht mehr den halben Plan zerstören.
Viele beginnen damit etwa fünf bis zehn Jahre vor dem Termin, an dem ein fester Betrag gebraucht wird. Wichtig ist das Wort „schrittweise“: Wer alles an einem Tag verkauft, macht den Zeitpunkt wieder zum Glücksspiel.
Ein möglicher Umschichtplan
Die folgende Tabelle zeigt einen einfachen Gleitpfad, also einen Plan, wie der Aktienanteil eines Topfs mit sinkendem Horizont abnimmt. Die Werte sind Orientierung, keine feste Regel:
| Jahre bis zum Geldbedarf | Aktienanteil dieses Topfs | Rest in Tagesgeld, Festgeld oder Geldmarkt-ETF |
|---|---|---|
| mehr als 10 | bis 100 % | 0–40 % |
| 8–10 | bis 60 % | mindestens 40 % |
| 5–7 | bis 40 % | mindestens 60 % |
| 3–4 | bis 20 % | mindestens 80 % |
| unter 3 | 0 % | 100 % |
Ein Beispiel: In deinem Topf für das Haus-Eigenkapital liegen fünf Jahre vor dem Kauf 40.000 Euro. Bei 40 Prozent Aktienanteil sind das 16.000 Euro im ETF. Halbiert sich der ETF-Wert in einem Crash, verlierst du 8.000 Euro, also 20 Prozent des Topfs. Ärgerlich, aber der Kauf ist nicht gefährdet. Bei 100 Prozent Aktien hättest du dagegen 20.000 Euro verloren.
Umschichten über die Sparrate
Verkäufe haben zwei Nachteile: Auf realisierte Gewinne können Steuern anfallen, und jede Order kann Gebühren kosten. Eleganter ist es, zuerst die laufende Sparrate umzulenken. Statt in den ETF fließt neues Geld zunehmend aufs Tagesgeld. Erst wenn das nicht reicht, verkaufst du nach und nach ETF-Anteile, zum Beispiel einmal im Jahr einen Teil.
Kursgewinne aus ETF-Verkäufen sind bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (Alleinstehende) beziehungsweise 2.000 Euro (Zusammenveranlagte) im Jahr steuerfrei. Wer über mehrere Jahre verteilt verkauft, kann diesen Freibetrag mehrfach nutzen. Voraussetzung ist ein Freistellungsauftrag bei der Bank.
Umschichten ist kein Market Timing
Umschichten folgt deinem Kalender, nicht den Schlagzeilen. Du verkaufst nicht, weil du einen Crash erwartest, sondern weil dein Termin näher rückt. Das unterscheidet einen Umschichtplan vom Versuch, den Markt vorherzusagen, der erfahrungsgemäß selten gelingt. Welche Denkfallen dabei lauern, zeigen die typischen Anfängerfehler beim Investieren.
Ein Sonderfall: Ist der Markt kurz vor einem geplanten Umschichttermin stark gefallen, kannst du überlegen, das Ziel zu verschieben oder die Umschichtung über die Sparrate zu strecken. Das geht aber nur, wenn das Ziel flexibel ist. Genau deshalb beginnt ein guter Plan früh genug.
Anlagehorizont und Risikotoleranz
Der Anlagehorizont sagt dir, wie viel Risiko du dir leisten kannst. Die Risikotoleranz sagt, wie viel Risiko du aushältst, ohne falsche Entscheidungen zu treffen. Beides musst du zusammen betrachten.
Risikotragfähigkeit und Risikobereitschaft
Fachleute unterscheiden zwei Seiten:
- Risikotragfähigkeit: Wie viel Verlust verkraftest du finanziell? Das hängt von Anlagehorizont, Einkommen, Notgroschen und Verpflichtungen ab.
- Risikobereitschaft: Wie viel Verlust erträgst du nervlich? Das ist eine Frage des Temperaments und der Erfahrung.
Ein Beispiel: Ein 30-Jähriger mit sicherem Job und 35 Jahren Horizont kann finanziell ein Depot mit 100 Prozent Aktien tragen. Wenn er bei minus 20 Prozent aber nicht mehr schlafen kann und verkauft, ist diese Quote trotzdem falsch für ihn. Eine Aufteilung, die du durchhältst, ist besser als eine renditestärkere, die du im Crash aufgibst.
Die Faustformel für deinen möglichen Verlust
Eine einfache Rechnung hilft: Aktienanteil × Einbruch = ungefährer Verlust deines Gesamtvermögens. Der risikoarme Teil wird dabei als stabil angenommen.
| Aktienanteil | Risikoarmer Anteil | Verlust bei −50 % Aktien | Von 20.000 € bleiben |
|---|---|---|---|
| 100 % | 0 % | −50 % | 10.000 € |
| 80 % | 20 % | −40 % | 12.000 € |
| 60 % | 40 % | −30 % | 14.000 € |
| 40 % | 60 % | −20 % | 16.000 € |
Stell dir den Betrag in Euro vor, nicht in Prozent. Würdest du bei einem Verlust von 8.000 Euro ruhig weitersparen? Wenn du ehrlich zweifelst, wähle einen niedrigeren Aktienanteil. Wie du daraus ein komplettes Portfolio baust, erklärt der Ratgeber ETF-Portfolio zusammenstellen.
Die Regel „100 minus Alter“
Eine alte Faustregel lautet: Aktienanteil = 100 minus Lebensalter. Eine 30-Jährige hätte demnach 70 Prozent Aktien, ein 60-Jähriger 40 Prozent. Die Regel ist einfach, aber grob. Sie ignoriert, dass verschiedene Ziele verschiedene Horizonte haben, und sie berücksichtigt weder Rentenansprüche noch Risikobereitschaft. Als erster Anhaltspunkt taugt sie, als Plan nicht.
Sonderfälle: Kinder, Rente, Immobilienkauf
Manche Situationen verdienen einen eigenen Blick, weil der Anlagehorizont dort besonders lang, besonders fix oder schwer zu schätzen ist.
Anlagehorizont für Kinder
Für Kinder ist der Anlagehorizont oft besonders lang, etwa bis zum 18. Geburtstag oder darüber hinaus. Wer ab der Geburt spart, hat 18 Jahre Zeit. Ein einfacher Welt-ETF mit hoher Aktienquote ist deshalb eine verbreitete Wahl. Mit 150 Euro im Monat können über 18 Jahre bei angenommenen 6 Prozent pro Jahr rund 58.100 Euro zusammenkommen, eingezahlt sind 32.400 Euro.
Zwei Dinge solltest du bedenken. Erstens: Wird das Geld zu einem festen Termin gebraucht, etwa zum Studienbeginn, sollte ein Teil einige Jahre vorher in sichere Anlagen umgeschichtet werden. Zweitens: Liegt das Depot auf den Namen des Kindes, entscheidet es mit 18 allein über das Geld. Rechtliche und steuerliche Details erklärt der Ratgeber zum Junior-Depot.
Anlagehorizont in der Rente
Wer in Rente geht, braucht nicht das gesamte Geld am ersten Tag. Ein Teil kann für die späteren Rentenjahre weiter investiert bleiben. Hilfreich ist wieder das Töpfe-Prinzip, diesmal für die Entnahmephase.
Ein Beispiel: Beim Rentenstart liegen 300.000 Euro im Depot. Aus dem Vermögen sollen 1.000 Euro im Monat, also 12.000 Euro im Jahr, die gesetzliche Rente ergänzen.
| Topf | Zeitraum | Betrag | Anlage |
|---|---|---|---|
| Liquiditätstopf | Jahre 1–3 | 36.000 € | Tagesgeld, Festgeld |
| Mitteltopf | Jahre 4–10 | 84.000 € | Mischung, überwiegend risikoarm |
| Langfristtopf | ab Jahr 11 | 180.000 € | breit gestreute Aktien-ETFs |
Aus dem Liquiditätstopf lebst du. In guten Börsenjahren füllst du ihn aus den anderen Töpfen wieder auf, in schlechten wartest du damit. Die Beträge sind vereinfacht, Rendite, Steuern und Inflation sind nicht eingerechnet.
Besonders gefährlich ist ein Crash in den ersten Rentenjahren. Musst du dann aus einem gefallenen Depot entnehmen, verkaufst du viele Anteile zu niedrigen Kursen, die später bei der Erholung fehlen. Fachleute nennen das Renditereihenfolgerisiko. Ein ausreichend großer Liquiditätstopf mildert es, weil du in der Krise nicht verkaufen musst.
Wer lieber regelmäßige Ausschüttungen statt Verkäufe nutzen möchte, findet eine Einordnung im Ratgeber zur Dividenden-Strategie. Ob ein thesaurierender oder ausschüttender ETF besser passt, erklären wir bei thesaurierend vs. ausschüttend.
Anlagehorizont beim Immobilienkauf
Der Kauf einer Immobilie ist ein Paradebeispiel für einen fixen Termin mit großem Betrag. Die Bank erwartet das Eigenkapital zum Kauf, und ein Crash kurz vorher lässt sich nicht aussitzen. Gleichzeitig ist der Zeitpunkt oft unsicher: Man weiß nicht, wann die passende Wohnung kommt.
Für diese Mischung aus fixem Bedarf und unsicherem Termin gilt:
- Termin lieber zu früh ansetzen. Rechnest du mit „in sechs bis acht Jahren“, planst du mit sechs.
- Früh mit dem Umschichten beginnen. Ab etwa fünf Jahren vor dem möglichen Kauf wächst der sichere Anteil jedes Jahr.
- Die Mindestsumme absichern. Den Betrag, den du auf jeden Fall brauchst, hältst du sicher. Was darüber hinausgeht, darf länger investiert bleiben.
- Plan B für den Crash. Fällt der Markt, kannst du den Kauf verschieben, mit weniger Eigenkapital finanzieren oder kleiner kaufen? Denk das vorher durch.
Wenn der Anlagehorizont unklar ist
Manchmal weißt du einfach nicht, wann du das Geld brauchst. Vielleicht willst du dich selbstständig machen, vielleicht nicht. In diesem Fall teilst du das Geld auf: Der Teil, den du möglicherweise bald brauchst, bleibt sicher. Der Rest geht in den Langfristtopf. Klärt sich die Lage, passt du die Aufteilung an.
Typische Fehler beim Anlagehorizont
Die meisten Probleme entstehen nicht durch die Wahl des falschen ETFs, sondern durch einen falsch eingeschätzten Anlagehorizont. Diese Fehler solltest du kennen:
- Kurzfristiges Geld in Aktien. Das Geld für den Autokauf in zwei Jahren im ETF zu parken, weil die Börse gerade gut läuft, ist eine Wette auf den richtigen Zeitpunkt.
- Langfristiges Geld nur auf dem Konto. Wer für die Rente in 30 Jahren nur Tagesgeld nutzt, verliert womöglich real an Kaufkraft und verschenkt Renditechancen.
- Ohne Notgroschen investieren. Dann bestimmt der nächste Notfall deinen Anlagehorizont, nicht dein Plan.
- Alle Ziele in einen Topf. Liegt das Geld für Auto, Haus und Rente im selben ETF, weißt du im Crash nicht, welches Geld betroffen ist.
- Den Horizont im Crash verkürzen. Viele beschließen in einer Krise plötzlich, das Geld „bald“ zu brauchen. Ein langer Horizont ist wertlos, wenn du ihn im ersten Einbruch aufgibst.
- Den Horizont bei der Rente unterschätzen. Der Renteneintritt ist nicht das Ende des Anlagehorizonts, sondern der Beginn der Entnahmephase, die oft 20 Jahre und länger dauert.
- Zu spät umschichten. Wer bis zum letzten Jahr voll in Aktien bleibt, setzt einen großen Teil seines Ziels auf ein einziges Börsenjahr.
- Alles auf einmal umschichten. Ein einziger Verkaufstag macht den Zeitpunkt wieder zum Zufall. Besser ist ein Plan über mehrere Jahre.
- Nicht auf breite Streuung achten. Zeit hilft einem weltweit gestreuten Portfolio, aber nicht zuverlässig einer einzelnen Aktie oder einem einzelnen Land.
- Den Plan nie überprüfen. Heirat, Kinder, Jobwechsel oder ein Erbe verändern Ziele und Horizonte. Einmal im Jahr lohnt ein Blick.
Wer neben ETFs auch einzelne Aktien kauft, sollte für diese Positionen einen besonders langen Horizont einplanen und sie klar begrenzen. Worauf es beim Kauf ankommt, erklärt der Ratgeber Aktien kaufen.
Checkliste: Dein Anlagehorizont in der Übersicht
Mit dieser Liste prüfst du, ob deine Planung steht:
- Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben liegt auf dem Tagesgeld.
- Alle größeren Ziele sind mit Betrag und Jahr aufgeschrieben.
- Jedes Ziel ist als fix oder verschiebbar markiert.
- Die Ziele sind auf Töpfe verteilt: kurz, mittel, lang.
- Für jeden Topf ist die Anlage festgelegt, passend zu Horizont und Verlusttoleranz.
- Für mittelfristige Ziele gibt es einen Umschichtplan mit Startjahr.
- Der Sparplan für den Langfristtopf läuft automatisch.
- Ein Freistellungsauftrag ist erteilt.
- Ein Termin für die jährliche Überprüfung steht im Kalender.
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