P2P-Kredite: Was steckt dahinter?
P2P-Kredite versprechen Zinsen, von denen Sparer auf dem Tagesgeldkonto nur träumen können. Du verleihst Geld über eine Online-Plattform und bekommst dafür regelmäßig Zinsen und Tilgungen gutgeschrieben. Klingt einfach, und genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick: Hinter den hohen Zinsen stecken Risiken, die viele Einsteiger unterschätzen.
In diesem Ratgeber erfährst du, wie P2P-Kredite funktionieren, welche Arten es gibt, was eine Rückkaufgarantie wirklich wert ist und welche Erfahrungen Anleger in früheren Krisen gemacht haben. Außerdem zeigen wir dir, wie du Plattformen prüfst, wie viel Geld sinnvoll sein kann und wie du die Zinsen in Deutschland versteuerst.
Eines vorweg: P2P-Kredite sind keine Alternative zu einem breit gestreuten ETF und schon gar nicht zum Notgroschen. Sie können höchstens eine kleine Ergänzung sein, wenn dein Fundament steht.
So funktionieren P2P-Kredite
P2P steht für „Peer-to-Peer“, also „von Mensch zu Mensch“. Die ursprüngliche Idee: Privatpersonen leihen anderen Privatpersonen Geld, ohne Bank dazwischen. Eine Online-Plattform bringt beide Seiten zusammen.
Heute läuft es bei den meisten Plattformen in Europa etwas anders:
- Ein Kreditanbieter (englisch: Loan Originator), etwa ein Konsumkredit-Unternehmen, vergibt Kredite an seine Kunden.
- Er bietet Anteile an diesen Krediten auf einer P2P-Plattform an, um sich zu refinanzieren, also um sich frisches Geld für neue Kredite zu beschaffen.
- Du als Anleger kaufst diese Anteile, oft schon ab 10 Euro, und bekommst dafür einen Teil der Zinsen und Tilgungen.
Die meisten Plattformen sitzen im Baltikum oder auf dem Balkan, zum Beispiel in Lettland, Estland oder Kroatien. Viele Kredite laufen nur wenige Wochen oder Monate.
Die Plattform
Die Plattform ist der Marktplatz. Sie prüft, welche Kreditanbieter mitmachen dürfen, stellt die Technik bereit, verwaltet dein Anlegerkonto und verteilt Zins- und Tilgungszahlungen. Sie verdient meist an Gebühren, die sie von den Kreditanbietern bekommt, manchmal auch an Gebühren, die Anleger zahlen, etwa für Verkäufe auf dem Zweitmarkt.
Wichtig: Dein Geld liegt nicht bei einer Bank, sondern auf einem Konto der Plattform oder eines Zahlungsdienstleisters. Wie gut es dort geschützt ist, hängt stark von der Regulierung ab. Dazu später mehr.
Der Kreditanbieter
Der Kreditanbieter ist das Unternehmen, das den Kredit tatsächlich vergibt. Er prüft die Kreditnehmer, zahlt das Geld aus und treibt die Raten ein. Bei vielen Plattformen stammen die Kredite von zahlreichen verschiedenen Kreditanbietern aus vielen Ländern. Bei anderen gehören alle Kreditanbieter zu einer einzigen Unternehmensgruppe, manchmal sogar zum selben Konzern wie die Plattform selbst.
Für dich ist der Kreditanbieter oft das wichtigere Risiko als der einzelne Kreditnehmer. Denn er gibt meist die Rückkaufgarantie und leitet die Zahlungen der Kreditnehmer an dich weiter.
Der Anleger
Du kaufst in der Regel keinen ganzen Kredit, sondern einen kleinen Anteil daran. Rechtlich unterscheidet sich das je nach Plattform: Manchmal erwirbst du einen Anteil an der Kreditforderung selbst, manchmal ein an den Kredit gekoppeltes Finanzinstrument, bei Mintos zum Beispiel sogenannte Notes. Bei Viainvest kaufst du verbriefte Wertpapiere mit eigener ISIN, also einer internationalen Wertpapierkennnummer.
Für dich als Einsteiger heißt das: Lies nach, was du eigentlich kaufst und gegenüber wem du im Ernstfall einen Anspruch hast.
Ein Beispiel für den Ablauf
Stell dir vor, der fiktive Kreditanbieter „Kredit AG“ vergibt einem Kunden einen Konsumkredit über 1.000 Euro mit sechs Monaten Laufzeit. Die Kredit AG stellt 900 Euro davon auf eine P2P-Plattform und behält den Rest selbst, damit sie am Erfolg des Kredits beteiligt bleibt (Fachbegriff: Skin in the Game). Du kaufst einen Anteil von 20 Euro. Zahlt der Kunde monatlich seine Rate, bekommst du anteilig Tilgung und Zinsen auf dein Plattformkonto. Nach sechs Monaten ist der Kredit zurückgezahlt, und dein Geld steht für neue Kredite bereit.
Welche Arten von P2P-Krediten gibt es?
Unter dem Begriff P2P-Kredite laufen sehr unterschiedliche Geschäfte. Die Art des Kredits bestimmt, wie hoch das Risiko ist, wie lange dein Geld gebunden ist und was im Ernstfall passiert.
| Kreditart | Typische Laufzeit | Absicherung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Konsumkredite | Wochen bis wenige Jahre | meist keine Sicherheit, oft Rückkaufgarantie | hohe Zinsen, viele kleine Kredite |
| Mikrokredite | oft nur Wochen | meist Rückkaufgarantie | sehr kurz, sehr hohe Zinsen für Kreditnehmer |
| Immobilienkredite | Monate bis mehrere Jahre | Grundschuld auf Immobilie | Verwertung kann Jahre dauern |
| Unternehmenskredite | Monate bis Jahre | teils Sicherheiten oder Bürgschaften | Risiko hängt stark am einzelnen Unternehmen |
| Agrarkredite | Monate bis Jahre | z. B. Ackerland, Maschinen | Nische, meist ohne Rückkauf |
Konsum- und Mikrokredite
Das ist der Klassiker. Privatleute leihen sich Geld für ein Auto, einen Kühlschrank oder eine kurzfristige Überbrückung. Bei Mikrokrediten geht es um kleine Beträge und sehr kurze Laufzeiten. Die Kreditnehmer zahlen dafür oft sehr hohe Zinsen, weil sie bei klassischen Banken häufig keinen Kredit bekämen. Genau daraus speisen sich die hohen Zinsen für Anleger.
Immobilienkredite
Hier finanzierst du Bauprojekte, Umbauten oder Überbrückungen von Immobilienentwicklern. Die Kredite sind meist mit einer Grundschuld besichert, also einem im Grundbuch eingetragenen Recht auf die Immobilie. Das klingt solide. Fällt ein Kredit aus, muss die Plattform die Immobilie aber erst verwerten, und das dauert erfahrungsgemäß oft Jahre. Bei EstateGuru etwa befindet sich seit einigen Jahren ein großer Teil des Portfolios im Verzug oder im Inkasso.
Unternehmenskredite
Kleine und mittlere Unternehmen finanzieren über P2P-Plattformen zum Beispiel Maschinen, Lagerbestände oder Wachstum. Das Risiko hängt stark vom einzelnen Unternehmen ab. Eine Sonderform sind besicherte Agrarkredite an Landwirte, wie sie Lande anbietet. Dort gibt es keine Rückkaufgarantie, stattdessen Sicherheiten wie Land und Maschinen.
Warum die Zinsen so hoch sind
Die Kreditnehmer zahlen oft sehr hohe Zinsen, etwa für kurzfristige Konsum- oder Mikrokredite. Davon gibt der Kreditanbieter einen Teil an dich weiter. Typisch sind 8 bis 13 Prozent pro Jahr, manche Plattformen werben mit noch mehr.
Hohe Zinsen sind aber immer ein Signal: Sie gleichen ein hohes Risiko aus. Niemand zahlt dir 12 Prozent für ein Geschäft, das so sicher ist wie ein Tagesgeldkonto.
| Tagesgeld | Welt-ETF | P2P-Kredite | |
|---|---|---|---|
| Typischer Ertrag | niedrig | mittel bis hoch (schwankend) | hoch (laut Plattform) |
| Einlagensicherung | bis 100.000 € | Sondervermögen | keine |
| Verfügbarkeit | täglich | an jedem Börsentag | je nach Laufzeit und Zweitmarkt |
| Hauptrisiko | Inflation | Kursschwankungen | Ausfall und Pleite |
Zins ist nicht gleich Rendite
Die Zinsen, mit denen Plattformen werben, sind Bruttowerte. Was am Ende bei dir ankommt, ist oft deutlich weniger. Von den beworbenen Zinsen gehen ab:
- Ausfälle, die keine Rückkaufgarantie auffängt, oder Gelder, die jahrelang im Inkasso stecken
- Gebühren, etwa für Auto-Invest, Zweitmarktverkäufe, Auszahlungen oder laufende Verwaltung
- Uninvestiertes Geld (auch Cash Drag genannt): Liegt Geld auf dem Plattformkonto herum, weil gerade keine passenden Kredite verfügbar sind, bringt es keine Zinsen
- Steuern auf die Zinsen
Ein fiktives Rechenbeispiel: Du legst 2.000 Euro an, die Plattform verspricht 10 Prozent Zinsen. Nach einem Jahr hast du 200 Euro Zinsen verbucht. Nun geht einer deiner Kreditanbieter pleite, bei dem 200 Euro deines Geldes steckten. Nach mehreren Jahren Inkasso kommt die Hälfte zurück. Dein Verlust von 100 Euro frisst die Hälfte deiner Zinsen, übrig bleiben 100 Euro, also 5 Prozent statt 10 Prozent vor Steuern.
Auch der Cash Drag macht viel aus: Sind im Jahresschnitt nur 80 Prozent deines Geldes investiert, werden aus 10 Prozent Zinsen auf dem Papier nur 8 Prozent auf dein gesamtes Kapital.
P2P-Kredite Risiken: Was schiefgehen kann
Bei P2P-Krediten gibt es mehrere Ebenen, auf denen etwas schiefgehen kann: beim Kreditnehmer, beim Kreditanbieter und bei der Plattform. Dazu kommen Länder-, Konzentrations- und Liquiditätsrisiken.
- Kreditausfall: Kreditnehmer zahlen nicht zurück. Bei vielen Plattformen springt dann eine Rückkaufgarantie ein – aber nur, solange der Kreditanbieter zahlungsfähig ist.
- Pleite des Kreditanbieters: Geht der Kreditanbieter selbst pleite, ist auch seine Rückkaufgarantie wertlos. Dein Geld steckt dann oft jahrelang im Inkasso.
- Pleite oder Betrug der Plattform: Ende 2019 brach etwa die estnische Plattform Envestio zusammen, Anleger verloren Millionenbeträge. Unregulierte Plattformen werden von keiner Behörde überwacht.
- Länder- und Konzentrationsrisiko: Nach Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 waren Kredite aus Russland und der Ukraine auf mehreren Plattformen plötzlich blockiert. Stammen alle Kredite einer Plattform aus einem Konzern, hängt alles an diesem einen Unternehmen.
- Liquidität: In Krisen können Auszahlungen stocken und Zweitmärkte austrocknen. Anders als bei ETFs kommst du dann nicht jederzeit an dein Geld.
- Keine Einlagensicherung: Die gesetzliche Einlagensicherung für Bankguthaben gilt für P2P-Anlagen nicht.
Ausfall von Kreditnehmern
Dass einzelne Kreditnehmer nicht zahlen, ist bei Konsumkrediten normal und im Zins bereits eingepreist. Solange der Kreditanbieter gesund ist und eine Rückkaufgarantie gibt, spürst du davon meist wenig. Bei Krediten ohne Rückkauf, etwa Immobilien- oder Agrarkrediten, trägst du das Ausfallrisiko dagegen direkt. Dann hängt alles davon ab, ob und wann die Sicherheiten verwertet werden können.
Ausfall von Kreditanbietern
Das ist in der Praxis eines der größten Risiken. Kreditanbieter sind oft kleinere Finanzunternehmen in Ländern mit schwankender Wirtschaft. Gerät so ein Unternehmen in Schwierigkeiten, stoppen die Zahlungen an die Plattform, und es beginnt ein Inkasso- oder Insolvenzverfahren. Auf Mintos etwa befindet sich aus früheren Pleiten einzelner Kreditanbieter in den Jahren 2020 und 2022 noch ein Teil der Gelder im Inkasso.
Pleite oder Betrug der Plattform
Das schlimmste Szenario: Die Plattform selbst bricht zusammen. In der Vergangenheit gab es mehrere Fälle, in denen Plattformen pleitegingen oder sich als Betrug herausstellten, etwa mit erfundenen Krediten oder Kreditanbietern. Anleger verloren dabei oft einen Großteil ihres Geldes. Besonders gefährdet sind junge, unregulierte Plattformen mit auffällig hohen Zinsen, Bonusaktionen und wenig Transparenz.
Interessenkonflikte
Gehören Plattform und Kreditanbieter zum selben Konzern, hat die Plattform wenig Anreiz, die Kredite kritisch zu prüfen. Bei Twino zum Beispiel stammen alle Kredite aus der eigenen Unternehmensgruppe. Auch bei Robocash, PeerBerry und Viainvest kommen die Kredite ganz oder größtenteils aus einer Gruppe. Das muss nicht schlecht laufen, bündelt aber das Risiko: Gerät die Gruppe in Schieflage, trifft es alle Kredite gleichzeitig.
Rückkaufgarantie: Was sie wirklich wert ist
Viele Plattformen werben mit einer Rückkaufgarantie (englisch: Buyback Guarantee). Sie bedeutet: Ist ein Kredit zum Beispiel 60 Tage im Verzug, kauft der Kreditanbieter ihn dir samt Zinsen zurück. Das klingt nach Sicherheit, ist aber nur ein Versprechen des Kreditanbieters. Geht er pleite, kann er nichts mehr zurückkaufen. Die Garantie schützt also vor dem Ausfall einzelner Kreditnehmer, nicht vor dem Ausfall des Kreditanbieters.
Wie der Rückkauf abläuft
Die Fristen unterscheiden sich je nach Plattform. Bei Robocash greift der Rückkauf laut Plattform ab 30 Tagen Verzug, bei PeerBerry, Esketit und Viainvest ab 60 Tagen. Bis dahin bekommst du von einem verspäteten Kredit keine Zahlungen. Dein Geld ist also in dieser Zeit gebunden, auch wenn es am Ende zurückkommt.
Die Grenzen der Garantie
- Sie ist nur so gut wie der Garantiegeber. Garantiegeber ist fast immer der Kreditanbieter, nicht die Plattform. Bei Mintos zum Beispiel wird der Rückkauf je nach Kreditanbieter von diesem gewährt, nicht von Mintos selbst.
- In Krisen fallen viele gleichzeitig aus. Wenn eine Wirtschaftskrise oder ein Krieg ganze Länder trifft, zahlen viele Kreditnehmer auf einmal nicht. Genau dann sind auch die Kreditanbieter unter Druck.
- Nicht alle Kredite haben eine. Immobilien- und Agrarkredite wie bei EstateGuru oder Lande setzen stattdessen auf Sicherheiten. Twino bietet für neue Anlagen keinen generellen Rückkauf mehr.
- Konzerngarantien helfen nur begrenzt. Manche Plattformen, etwa PeerBerry, bieten zusätzlich eine Garantie der Unternehmensgruppe. Das ist ein Plus, doch wenn die gesamte Gruppe in Schwierigkeiten gerät, hilft auch diese Garantie nicht.
Merke dir deshalb: Eine Rückkaufgarantie ist kein Kapitalschutz. Sie verlagert das Risiko vom einzelnen Kreditnehmer auf den Kreditanbieter.
Liquidität und Zweitmarkt
Liquidität bedeutet, wie schnell du dein Geld wieder zurückbekommst. Bei ETFs kannst du an jedem Börsentag verkaufen. Bei P2P-Krediten ist es komplizierter.
Laufzeit abwarten
Der Normalfall: Du wartest, bis deine Kredite getilgt sind. Bei sehr kurzen Konsumkrediten kann das schnell gehen, weil laufend Geld zurückfließt. Bei Immobilienkrediten kann es dagegen Jahre dauern, besonders wenn ein Kredit in Verzug gerät.
Verkauf auf dem Zweitmarkt
Auf dem Zweitmarkt verkaufst du deine Kreditanteile an andere Anleger. Viele Plattformen bieten ihn an, etwa Mintos, PeerBerry, Robocash, Esketit, Twino, Lande und EstateGuru. Viainvest hat laut unseren Daten keinen Zweitmarkt. Beachte dabei:
- Für einen Verkauf brauchst du einen Käufer. Kredite im Verzug lassen sich oft nur mit Abschlag verkaufen, also unter ihrem Nennwert.
- Manche Plattformen verlangen Gebühren für Verkäufe oder haben eine Mindesthaltedauer.
- In Krisen will fast jeder verkaufen und kaum jemand kaufen. Genau dann trocknet der Zweitmarkt aus. Bei EstateGuru etwa ist der Zweitmarkt laut unseren Daten kaum liquide und war nach einem Wechsel des Zahlungsdienstleisters im August 2026 zeitweise geschlossen.
Sammelprodukte mit Auszahlung
Einige Anbieter bieten Produkte, bei denen du nicht einzelne Kredite kaufst, sondern in einen Topf einzahlst, zum Beispiel Bondora Go & Grow mit einem Zielzins von bis zu 6 Prozent. Auszahlungen sind normalerweise schnell möglich und kosten 1 Euro pro Auszahlung. In Krisenzeiten, etwa 2020, kann es aber zu Verzögerungen kommen. Tägliche Verfügbarkeit ist also ein Versprechen für normale Zeiten, keine Garantie.
Ein weiteres Beispiel: Als Esketit 2025 seinen Sitz nach Kroatien verlegte, wurden Liquiditätsfunktionen wie Zweitmarkt und vorzeitige Auszahlung vorübergehend abgeschaltet. Plane P2P-Geld deshalb immer so, dass du es jahrelang nicht brauchst.
Regulierung: Worauf du achten solltest
Plattformen unterscheiden sich stark darin, wie gut sie beaufsichtigt werden:
- MiFID-II-Lizenz (Wertpapierfirma): Die Plattform wird wie eine Wertpapierfirma beaufsichtigt. Es gibt eine Anlegerentschädigung von bis zu 20.000 Euro, falls die Plattform selbst Pflichten verletzt, etwa bei Veruntreuung. Kreditausfälle deckt sie nicht ab.
- ECSP-Lizenz: Lizenz nach der EU-Schwarmfinanzierungsverordnung mit Aufsicht und Offenlegungspflichten, aber ohne Entschädigungseinrichtung.
- Unreguliert: Keine behördliche Aufsicht. Das muss nicht heißen, dass die Plattform unseriös ist, erhöht aber das Risiko deutlich.
Was die ECSP-Verordnung bedeutet
ECSP steht für „European Crowdfunding Service Providers“. Die EU-Schwarmfinanzierungsverordnung schafft einheitliche Regeln für Plattformen, die Kredite oder Beteiligungen an Unternehmen vermitteln. Eine Plattform mit dieser Lizenz wird von der Finanzaufsicht ihres Landes überwacht und darf ihre Dienste in der ganzen EU anbieten.
Für dich als Anleger bringt die Verordnung vor allem mehr Informationen und Warnhinweise. Dazu gehören ein standardisiertes Informationsblatt zu den Angeboten, Angaben zu Risiken und Ausfallquoten sowie ein Einstiegstest, mit dem die Plattform prüft, ob du die Risiken verstehst. Eine Garantie für dein Geld ist das aber nicht, und eine Entschädigungseinrichtung wie bei Wertpapierfirmen gibt es nicht.
Regulierung im Überblick
| Plattform | Sitz | Regulierung |
|---|---|---|
| Mintos | Lettland | MiFID II (Wertpapierfirma) |
| Viainvest | Lettland | MiFID II (Wertpapierfirma) |
| Twino | Lettland | MiFID II (Wertpapierfirma) |
| Lande | Lettland | ECSP |
| EstateGuru | Estland | ECSP |
| Bondora | Estland | keine eigene Lizenz für Go & Grow, nur die Kreditgeber sind beaufsichtigt |
| PeerBerry | Kroatien | nicht reguliert, ECSP-Antrag angekündigt |
| Robocash | Kroatien | nicht reguliert |
| Esketit | Kroatien | nicht reguliert |
Stand der Angaben: 25.09.2026. Regulierung kann sich ändern, prüfe deshalb vor einer Anlage immer den aktuellen Stand. Details zu jeder Plattform findest du in unserem P2P-Vergleich und in der Übersicht der P2P-Anbieter.
Wichtig: Regulierung schützt dich vor Fehlverhalten der Plattform, nicht vor schlechten Krediten. Auch auf einer regulierten Plattform wie EstateGuru kann ein großer Teil der Kredite ausfallen.
P2P-Kredite Erfahrungen: Was frühere Krisen gezeigt haben
Wer wissen will, wie riskant P2P-Kredite wirklich sind, sollte weniger auf die Werbung und mehr auf die Krisen der Vergangenheit schauen. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen ein gemischtes Bild.
Corona-Krise 2020
Als 2020 die Pandemie begann, gerieten viele Kreditanbieter unter Druck. Anleger wollten gleichzeitig ihr Geld abziehen, Zweitmärkte waren überlastet, und bei manchen Produkten stockten Auszahlungen, etwa bei Bondora Go & Grow. Kurz zuvor, Ende 2019, war bereits Envestio zusammengebrochen. Auf Mintos gingen einzelne Kreditanbieter pleite, ein Teil der Gelder steckt bis heute im Inkasso.
Ukraine-Krieg 2022
Mit Beginn des Kriegs waren Kredite aus Russland und der Ukraine auf mehreren Plattformen plötzlich blockiert. Wie unterschiedlich Plattformen damit umgingen, zeigt der Vergleich: PeerBerry zahlte die eingefrorenen Ukraine-Kredite bis Ende 2024 vollständig zurück. Bei Twino wurden die Altforderungen aus dem Russland-Geschäft dagegen laut Twino erst im August 2026 abgewickelt.
Probleme bei Immobilienkrediten
Bei Immobilienkrediten zeigt sich ein anderes Muster. Solange Immobilienpreise steigen und Banken großzügig Anschlussfinanzierungen vergeben, läuft alles glatt. Wird es schwieriger, geraten viele Projekte gleichzeitig in Verzug. EstateGuru hat seit einigen Jahren einen sehr hohen Anteil an Krediten im Inkasso, besonders bei Krediten aus Deutschland.
Was du daraus lernen kannst
- Krisen treffen oft viele Kredite und Kreditanbieter gleichzeitig. Streuung hilft, schützt aber nicht vor allem.
- Wie eine Plattform in einer Krise kommuniziert und handelt, sagt viel über sie aus.
- „Täglich verfügbar“ und „Rückkaufgarantie“ gelten in normalen Zeiten. In Krisen können beide Versprechen wanken.
- Positive Erfahrungsberichte aus ruhigen Jahren sind wenig aussagekräftig. Entscheidend ist, wie eine Plattform durch schwierige Phasen kam.
Auto-Invest und Streuung
Auf den meisten Plattformen musst du Kredite nicht einzeln auswählen. Mit Auto-Invest legst du Regeln fest, und die Plattform investiert dein Geld automatisch, auch das, was aus Zinsen und Tilgungen zurückfließt. Bei Robocash investierst du sogar ausschließlich über Auto-Invest.
Typische Einstellungen
- Zinsspanne: Welche Zinsen soll ein Kredit mindestens bieten? Sehr hohe Zinsen sind oft ein Warnsignal.
- Laufzeit: Kürzere Laufzeiten bedeuten, dass dein Geld schneller zurückfließt.
- Kreditanbieter: Du kannst einzelne Kreditanbieter ausschließen, etwa solche mit schwacher Finanzlage.
- Länder: Manche Anleger meiden bestimmte Regionen.
- Rückkaufgarantie: Du kannst festlegen, nur Kredite mit Rückkauf zu kaufen.
- Höchstbetrag pro Kredit: Wenige Euro pro Kredit sorgen für breite Streuung.
Manche Plattformen verlangen für bestimmte Auto-Invest-Varianten Gebühren, etwa Mintos. Prüfe also, was dich die Automatik kostet.
Warum Streuung so wichtig ist
Streuung (auch Diversifikation genannt) bedeutet, dein Geld auf viele Kredite, Kreditanbieter und Plattformen zu verteilen. Ein fiktives Beispiel zeigt den Unterschied: Du investierst 3.000 Euro zu je 10 Prozent Zinsen.
| Alles auf einer Plattform | Aufgeteilt auf 3 Plattformen | |
|---|---|---|
| Einsatz | 3.000 € | 3 × 1.000 € |
| Eine Plattform fällt komplett aus | Verlust 3.000 € | Verlust 1.000 € |
| Zinsen der übrigen Plattformen (1 Jahr) | 0 € | 200 € |
| Ergebnis nach einem Jahr | −3.000 € | −800 € |
Auch mit Streuung hättest du in diesem Beispiel Geld verloren. Der Verlust wäre aber deutlich kleiner. Streue deshalb auf mehreren Ebenen:
- Viele Kredite: lieber 10 Euro in 100 Kredite als 1.000 Euro in einen.
- Mehrere Kreditanbieter: am besten aus verschiedenen Unternehmensgruppen und Ländern.
- Mehrere Plattformen: damit der Ausfall einer einzigen Plattform dich nicht komplett trifft.
- Verschiedene Kreditarten: Konsum-, Unternehmens- und besicherte Kredite reagieren unterschiedlich auf Krisen.
Aber übertreibe es nicht: Wer mit kleinen Beträgen auf zehn Plattformen verteilt, verliert schnell den Überblick. Für viele Anleger sind zwei bis vier sorgfältig ausgewählte Plattformen ein vernünftiger Mittelweg.
Wie viel Geld gehört in P2P-Kredite?
P2P-Kredite können eine Beimischung für erfahrene Anleger sein, die ihr Fundament bereits aufgebaut haben. Die Reihenfolge ist klar:
- Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto, meist drei bis sechs Monatsausgaben. Wie viel du brauchst, rechnest du mit dem Notgroschen-Rechner aus.
- Langfristiger ETF-Sparplan als Kern deiner Geldanlage. Wie so ein Grundgerüst aussehen kann, zeigt unser Ratgeber zum ETF-Portfolio.
- Erst dann eine kleine Beimischung wie P2P-Kredite.
Viele Ratgeber empfehlen höchstens 5 bis 10 Prozent des Vermögens in P2P-Krediten. Was das konkret heißt:
| Gesamtvermögen | 5 Prozent | 10 Prozent |
|---|---|---|
| 5.000 € | 250 € | 500 € |
| 20.000 € | 1.000 € | 2.000 € |
| 50.000 € | 2.500 € | 5.000 € |
| 100.000 € | 5.000 € | 10.000 € |
Als Einsteiger bist du eher am unteren Ende gut aufgehoben. Frag dich ehrlich: Wie würdest du reagieren, wenn dieser Betrag komplett weg wäre? Wenn dich das nachts wach halten würde, ist er zu hoch.
Für wen P2P-Kredite eher nicht passen
- Wenn du noch keinen Notgroschen hast oder Schulden mit hohen Zinsen abzahlst.
- Wenn du das Geld in den nächsten Jahren für eine größere Anschaffung brauchst. Mehr zum Thema Zeitraum liest du im Ratgeber zum Anlagehorizont.
- Wenn du keine Zeit oder Lust hast, Plattformen regelmäßig zu beobachten.
- Wenn du P2P-Kredite als Ersatz für Tagesgeld siehst. Sie sind es nicht.
Steuern auf P2P-Zinsen
Zinsen aus P2P-Krediten sind in Deutschland Kapitalerträge und unterliegen der Abgeltungsteuer: 25 Prozent plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag darauf, zusammen 26,375 Prozent, gegebenenfalls zuzüglich Kirchensteuer.
Da die Plattformen im Ausland sitzen, führen sie keine deutsche Steuer ab. Du musst deine Zinsen deshalb selbst in der Steuererklärung in der Anlage KAP angeben. Den Sparerpauschbetrag nutzt du ebenfalls über die Steuererklärung, weil ein Freistellungsauftrag bei ausländischen Plattformen nicht möglich ist.
Rechenbeispiel
Du bist alleinstehend und hast im Jahr 1.500 Euro Zinsen aus P2P-Krediten erhalten. Weitere Kapitalerträge hast du nicht.
- Sparerpauschbetrag: 1.000 Euro steuerfrei
- Steuerpflichtig: 500 Euro
- Abgeltungsteuer und Soli: 500 Euro × 26,375 Prozent = 131,88 Euro
Hast du deinen Sparerpauschbetrag schon über Freistellungsaufträge bei deiner deutschen Bank verbraucht, sind die kompletten 1.500 Euro steuerpflichtig. Dann wären es 395,63 Euro. Liegt dein persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent, kannst du über die Günstigerprüfung in der Anlage KAP den niedrigeren Satz bekommen.
Quellensteuer und Steuerberichte
Einige Plattformen behalten zusätzlich eine Quellensteuer im Ausland ein, bei Viainvest etwa in Lettland. Ob und wie du diese in Deutschland anrechnen lassen kannst, solltest du im Einzelfall prüfen. Die meisten Plattformen stellen einen Jahres-Steuerbericht bereit, der dir die Angaben erleichtert. Hilfreiche Werkzeuge rund um die Steuererklärung findest du bei unseren Steuer-Tools.
Was ist mit Ausfällen?
Ausgefallene Kredite können unter Umständen steuerlich berücksichtigt werden. Welche Voraussetzungen dafür gelten und wie du sie nachweist, hängt vom Einzelfall ab. Bei größeren Beträgen oder Ausfällen lohnt sich eine steuerliche Beratung.
Plattform-Check: Checkliste vor dem ersten Euro
Bevor du Geld auf eine Plattform überweist, geh diese Fragen durch. Je mehr du mit „Nein“ oder „Weiß ich nicht“ beantwortest, desto vorsichtiger solltest du sein.
Unternehmen und Regulierung
- Ist die Plattform reguliert, und wenn ja, wie (MiFID II, ECSP, national)?
- Wo sitzt sie, und seit wann gibt es sie?
- Veröffentlicht sie geprüfte Jahresabschlüsse und macht sie Gewinn?
- Sind Geschäftsführung und Eigentümer namentlich bekannt?
Kredite und Kreditanbieter
- Woher stammen die Kredite: viele unabhängige Kreditanbieter oder eine einzige Gruppe?
- Gehören Plattform und Kreditanbieter zusammen?
- Behält der Kreditanbieter einen Teil jedes Kredits selbst?
- Gibt es eine Rückkaufgarantie, und wer genau gibt sie?
- Wie hoch ist der Anteil an Krediten im Verzug oder im Inkasso?
Krisenbilanz
- Wie ist die Plattform durch 2020 und 2022 gekommen?
- Wurden Rückkäufe und Auszahlungen immer bedient?
- Gibt es Altlasten aus früheren Ausfällen?
Kosten und Liquidität
- Welche Gebühren fallen an, etwa für Auto-Invest, Zweitmarkt oder Auszahlungen?
- Gibt es einen Zweitmarkt, und wie liquide ist er?
- Wie lange sind die typischen Laufzeiten?
Warnsignale
- Auffällig hohe Zinsen deutlich über dem Marktdurchschnitt
- Hohe Boni für Einzahlungen oder Neukunden mit Zeitdruck
- Fehlende Informationen zu Kreditanbietern und Finanzen
- Verzögerte Auszahlungen oder ausweichende Antworten des Supports
Einen schnellen Überblick über Regulierung, Mindestanlage, Rückkauf und Zweitmarkt der bekanntesten Plattformen bietet dir unser P2P-Vergleich.
Typische Fehler bei P2P-Krediten
1. Nur auf den Zins schauen. Die höchsten Zinsen stehen oft für die höchsten Risiken. Ein paar Prozentpunkte mehr sind wertlos, wenn ein Kreditanbieter ausfällt.
2. Die Rückkaufgarantie für eine Einlagensicherung halten. Sie ist ein Versprechen des Kreditanbieters und nur so viel wert wie dessen Zahlungsfähigkeit.
3. Alles auf eine Plattform setzen. Selbst große Plattformen können in Schwierigkeiten geraten. Verteile dein Geld.
4. Zu viel investieren. Wer einen großen Teil seines Vermögens in P2P-Kredite steckt, riskiert, dass ein einziger Ausfall seine Finanzen erschüttert.
5. Den Notgroschen in P2P parken. Geld, das du kurzfristig brauchen könntest, gehört aufs Tagesgeldkonto, nicht in Kredite mit unsicherer Verfügbarkeit.
6. Bonusaktionen hinterherlaufen. Einzahlungsboni können verlockend sein, sollten aber nie der Grund sein, eine Plattform zu wählen.
7. Die Steuer vergessen. Weil keine Steuer automatisch abgezogen wird, vergessen manche Anleger die Angabe in der Anlage KAP. Das kann Ärger mit dem Finanzamt geben.
8. In der Krise in Panik verkaufen. Wer bei Problemen sofort mit hohem Abschlag auf dem Zweitmarkt verkauft, realisiert Verluste, die sich vielleicht noch erholt hätten. Mehr zu solchen Verhaltensfallen liest du im Ratgeber über psychologische Fehler beim Investieren.
9. Nicht mehr hinschauen. P2P-Kredite sind kein Produkt, das du vergessen kannst. Prüfe mindestens einmal im Quartal, wie sich deine Plattformen und Kreditanbieter entwickeln.
Wer lieber in echte Sachwerte statt in Kredite investieren möchte, findet in unserem Ratgeber zu Timeless und Sammlerstücken eine andere, ebenfalls riskante Form der Beimischung.