Grundlagen

Aktien kaufen für Anfänger: So kaufst du deine erste Aktie Schritt für Schritt

Kurz gesagt

Um Aktien zu kaufen, brauchst du ein Depot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Dort überweist du Geld auf das Verrechnungskonto, suchst die Aktie über ihren Namen oder ihre ISIN, wählst Handelsplatz und Orderart und schickst die Order ab. Als Einsteiger fährst du meist gut mit einer Limit-Order während der Hauptbörsenzeit, niedrigen Gebühren und einem Freistellungsauftrag. Einzelaktien sind riskanter als ein breit gestreuter ETF und eignen sich eher als Beimischung.

Inhaltsverzeichnis

Aktien kaufen für Anfänger klingt komplizierter, als es ist. Technisch dauert der erste Kauf nur wenige Minuten, sobald dein Depot steht. Die eigentliche Arbeit liegt davor: verstehen, was du da kaufst, welche Kosten anfallen und welche Fehler Einsteiger immer wieder machen. Genau das erklären wir dir in diesem Ratgeber, von der Depoteröffnung bis zum ersten Verkauf.

Was passiert eigentlich, wenn du eine Aktie kaufst?

Eine Aktie ist ein Anteil an einem Unternehmen. Wer eine Aktie kauft, wird Miteigentümer, also Aktionär. Hat ein Unternehmen eine Million Aktien ausgegeben und du besitzt zehn davon, gehören dir 0,001 Prozent der Firma. Das ist wenig, aber es ist ein echter Anteil am Unternehmen und an seinen künftigen Gewinnen.

Deine Rechte als Aktionär

Mit einer gewöhnlichen Aktie, der sogenannten Stammaktie, bekommst du im Wesentlichen zwei Rechte:

  • Dividendenrecht: Schüttet das Unternehmen einen Teil seines Gewinns aus, bekommst du pro Aktie deinen Anteil. Diese Ausschüttung heißt Dividende. Ein Anspruch darauf besteht nicht, das Unternehmen kann die Dividende kürzen oder streichen.
  • Stimmrecht: Einmal im Jahr findet die Hauptversammlung statt, das Treffen aller Aktionäre. Dort wird zum Beispiel über die Höhe der Dividende und die Entlastung des Vorstands abgestimmt. Du kannst teilnehmen oder deine Stimme über deine Bank abgeben lassen.

Daneben gibt es Vorzugsaktien. Sie haben meist kein Stimmrecht, dafür manchmal eine etwas höhere Dividende. Für dich als Einsteiger ist vor allem wichtig, dass es von manchen Unternehmen beide Varianten gibt und du beim Kauf genau hinschaust, welche du erwischst.

Wie der Aktienkurs entsteht

Der Preis einer Aktie, der Kurs, ergibt sich aus Angebot und Nachfrage. Wollen mehr Menschen eine Aktie kaufen als verkaufen, steigt der Kurs. Wollen mehr verkaufen, fällt er. Dahinter stehen Erwartungen: Wie viel Gewinn wird das Unternehmen in Zukunft machen? Wie sicher ist das? Und was bieten andere Anlagen gerade?

Deshalb kann eine Aktie fallen, obwohl das Unternehmen Gewinn macht, weil die Anleger mehr erwartet hatten. Langfristig hängen Kurse vor allem davon ab, wie sich die Gewinne entwickeln.

Wichtig zu wissen: Wenn du eine Aktie über die Börse kaufst, bekommt das Unternehmen dein Geld nicht. Du kaufst die Aktie einem anderen Anleger ab, der sie verkaufen will. Die Börse bringt euch nur zusammen.

Voraussetzungen vor dem ersten Kauf

Diese Punkte entscheiden oft darüber, ob du langfristig dabeibleibst oder im falschen Moment verkaufen musst.

1. Dein Notgroschen steht. Lege zuerst eine Reserve für unerwartete Ausgaben auf ein Tagesgeldkonto, üblich sind drei bis sechs Monatsausgaben. Wie viel es bei dir sein sollte, erklärt unser Ratgeber zum Notgroschen. Ohne diese Reserve musst du bei der nächsten Autoreparatur womöglich Aktien verkaufen, vielleicht gerade dann, wenn die Kurse unten sind.

2. Du kennst deinen Anlagehorizont. Der Anlagehorizont ist die Zeit, in der du das Geld nicht brauchst. Für Aktien gilt als Faustregel: mindestens zehn Jahre, besser länger. Warum das so wichtig ist, liest du im Artikel zum Anlagehorizont. Geld für den Urlaub im nächsten Jahr oder die Wohnungskaution gehört nicht an die Börse.

3. Du investierst nur Geld, das du lange entbehren kannst. Aktienkurse können stark fallen. Der MSCI World, ein Index mit Aktien aus vielen Industrieländern, ist in seiner Geschichte schon um mehr als die Hälfte eingebrochen (größter Rückgang in Euro: minus 53,6 Prozent). Eine einzelne Aktie kann noch deutlich tiefer fallen oder im schlimmsten Fall wertlos werden, wenn das Unternehmen pleitegeht.

4. Du hast keine teuren Schulden. Einen Dispokredit mit hohen Zinsen zahlst du besser zuerst ab.

5. Du weißt, wie du auf Verluste reagierst. Überlege dir vorher, was du tust, wenn deine Aktie 30 Prozent verliert. Wer darauf keine Antwort hat, verkauft oft aus Panik. Die typischen Denkfallen beschreiben wir unter Psychologie und Anfängerfehler.

Aktien kaufen für Anfänger: die Anleitung in 7 Schritten

Wenn die Voraussetzungen stimmen, geht es an die Praxis. So läuft der erste Aktienkauf ab.

Schritt 1: Depot wählen und eröffnen

Ein Depot ist dein Konto für Wertpapiere. Du eröffnest es bei einem Online-Broker, einer Direktbank oder einer Filialbank.

Die Eröffnung läuft heute fast immer online und dauert meist 10 bis 20 Minuten. Du brauchst dafür:

  • einen gültigen Personalausweis oder Reisepass,
  • deine steuerliche Identifikationsnummer (sie steht zum Beispiel auf deiner Lohnsteuerbescheinigung),
  • ein Referenzkonto, also dein normales Girokonto, auf das später Auszahlungen gehen,
  • ein Smartphone oder einen Computer mit Kamera.

Zum Schluss bestätigst du deine Identität: per Video-Ident im Videochat, per Post-Ident in einer Postfiliale oder bei manchen Anbietern über die Online-Ausweisfunktion. Viele Broker fragen außerdem deine Erfahrungen mit Wertpapieren ab. Beantworte diese Fragen ehrlich, sie dienen deinem Schutz.

Je nach Anbieter ist das Depot sofort oder nach wenigen Tagen freigeschaltet.

Schritt 2: Geld auf das Verrechnungskonto überweisen

Zu jedem Depot gehört ein Verrechnungskonto. Von dort wird der Kaufpreis abgebucht, und dorthin fließen Verkaufserlöse und Dividenden. Warum das keine Girokonto-Alternative ist, erklärt unser Vergleich Depot vs. Girokonto.

Überweise den Betrag, den du investieren willst, plus einen kleinen Puffer für Gebühren. Eine normale Überweisung braucht meist einen Bankarbeitstag.

Ein beruhigender Punkt: Die Aktien in deinem Depot gelten als Sondervermögen. Geht die Bank pleite, gehören sie weiterhin dir. Das Guthaben auf dem Verrechnungskonto ist über die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank geschützt.

Schritt 3: Die richtige Aktie finden (Name, ISIN, WKN)

Im Depot suchst du die Aktie über das Suchfeld. Du kannst den Firmennamen eingeben, sicherer ist aber die Suche über die Kennnummer:

  • Die ISIN (International Securities Identification Number) ist eine weltweit eindeutige, zwölfstellige Kennung. Die ersten zwei Buchstaben stehen für das Land, zum Beispiel DE für Deutschland oder US für die USA.
  • Die WKN (Wertpapierkennnummer) ist die sechsstellige deutsche Kennung. Sie wird zunehmend von der ISIN abgelöst, taucht aber noch oft auf.

Warum das wichtig ist: Zu vielen Unternehmen gibt es mehrere Wertpapiere, etwa Stamm- und Vorzugsaktien oder Zertifikate auf die Aktie. Die ISIN findest du auf der Investor-Relations-Seite des Unternehmens.

Schritt 4: Handelsplatz wählen

Der Handelsplatz ist der Ort, an dem deine Order ausgeführt wird, etwa eine Börse wie Xetra oder ein außerbörslicher Handelsplatz. Viele Neobroker bieten nur wenige Handelsplätze an, Direktbanken oft viele.

Als Faustregel für den Anfang: Kaufe möglichst während der Hauptbörsenzeit von 9:00 bis 17:30 Uhr und achte auf den Spread, also den Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs.

Schritt 5: Orderart und Stückzahl festlegen

Jetzt legst du fest, wie viele Aktien du kaufen willst und zu welchen Bedingungen. Die wichtigsten Orderarten sind die Market-Order, bei der du zum nächsten verfügbaren Kurs kaufst, und die Limit-Order, bei der du einen Höchstpreis festlegst. Alle Varianten erklären wir unten mit Beispielen.

Zusätzlich wählst du die Gültigkeit der Order, zum Beispiel nur für heute oder bis zu einem bestimmten Datum.

Schritt 6: Order prüfen und abschicken

Bevor du auf „Kaufen“ tippst, zeigt dir der Broker eine Zusammenfassung. Prüfe in Ruhe:

  • Stimmt die ISIN, ist es also wirklich die Aktie, die du wolltest?
  • Stimmen Stückzahl und Limit? Ein Tippfehler von 10 auf 100 Stück passiert schneller, als man denkt.
  • Welcher Handelsplatz ist ausgewählt?
  • Welche Kosten fallen an? Seriöse Broker zeigen dir vorab eine Kosteninformation.

Erst dann bestätigst du die Order, meist mit PIN, Passwort oder einer Freigabe in der App.

Schritt 7: Abrechnung prüfen und Freistellungsauftrag einrichten

Nach der Ausführung erscheint die Aktie im Depot, und du bekommst eine Wertpapierabrechnung. Darauf stehen der Ausführungskurs, die Stückzahl, der Kurswert, der Handelsplatz, die Uhrzeit und alle Gebühren. Vergleiche das kurz mit deiner Order.

Falls noch nicht geschehen, richtest du jetzt einen Freistellungsauftrag ein. Damit bleiben deine Kapitalerträge bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro im Jahr (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung) steuerfrei, ohne dass du dich um eine Steuererklärung kümmern musst.

Welches Depot passt zu dir?

Es gibt drei Arten von Anbietern, die sich vor allem bei Kosten und Service unterscheiden.

Neobroker Direktbank Filialbank
Bedienung App im Mittelpunkt, sehr einfach Website und App Filiale, Website, App
Ordergebühr oft niedrig, bei vielen rund 1 € oder pauschal meist einige Euro, teils prozentual mit Mindestgebühr oft deutlich höher, häufig prozentual mit Mindestgebühr
Depotgebühr meist keine meist keine, teils an Bedingungen geknüpft häufig ja
Handelsplätze oft nur ein oder wenige viele Börsen und außerbörsliche Plätze viele
Beratung keine keine oder nur wenig persönliche Beratung möglich
Passt zu Einsteigern mit kleinen Beträgen und Sparplänen Anlegern, die mehr Auswahl und Service wollen Menschen, die persönlichen Kontakt brauchen

Neobroker sind reine App-Broker mit sehr niedrigen Kosten, gut geeignet für kleine Orders und Sparpläne. Service gibt es meist nur per Chat oder E-Mail. Die Unterschiede zwischen den großen Anbietern zeigt unser Neobroker-Vergleich.

Direktbanken sind Online-Banken ohne Filialen, oft mit Girokonto, Tagesgeld und Depot unter einem Dach. Sie kosten pro Order meist etwas mehr, bieten aber mehr Handelsplätze und Ordertypen. Einen Überblick gibt der Direktbanken-Vergleich.

Filialbanken wie Sparkassen oder Volksbanken bieten persönliche Beratung, verlangen aber oft deutlich höhere Order- und Depotgebühren. Wer seine Aktien selbst auswählt, zahlt dort für einen Service, den er nicht nutzt.

Achte bei jedem Anbieter auf diese Punkte:

  • Sitz in Deutschland oder der EU und gesetzliche Einlagensicherung,
  • keine Depotgebühr,
  • niedrige Ordergebühren für deine geplanten Ordergrößen,
  • ein steuereinfaches Depot, bei dem der Broker die Abgeltungsteuer automatisch abführt.

Welche Anbieter aktuell gut abschneiden, vergleichen wir ausführlich im Broker-Vergleich. Konkrete Gebühren ändern sich immer wieder, daher lohnt der Blick ins aktuelle Preisverzeichnis vor der Eröffnung.

Handelsplätze erklärt: Xetra, gettex, Tradegate & Co.

Dieselbe Aktie wird oft an vielen Handelsplätzen gleichzeitig gehandelt, mit Unterschieden bei Handelszeiten, Gebühren und Spreads.

Börse oder außerbörslicher Handel?

An einer Börse wie Xetra treffen Kauf- und Verkaufsaufträge vieler Anleger in einem Orderbuch zusammen. Bei Handelsplätzen mit Market Maker stellt dagegen ein Handelshaus laufend einen Kauf- und einen Verkaufskurs und ist dein Handelspartner. Einige Plätze wie gettex sind zwar als Börse organisiert, arbeiten aber ebenfalls mit Market Makern.

Handelsplatz Art Besonderheit
Xetra Elektronische Börse der Frankfurter Wertpapierbörse Referenzmarkt für deutsche Aktien, meist sehr hohe Liquidität, Haupthandel 9:00–17:30 Uhr
Börse Frankfurt Börse mit Spezialisten große Auswahl, auch viele ausländische Aktien
gettex Börse München, Kurse von Market Makern lange Handelszeiten, bei vielen Neobrokern angebunden
Tradegate Handelsplatz in Berlin mit Market Makern lange Handelszeiten, bei Privatanlegern verbreitet
LS Exchange Handelsplatz von Lang & Schwarz lange Handelszeiten, bei einigen Neobrokern angebunden
EIX (European Investor Exchange) an der Börse Hannover Handelsplatz mit Market Makern, bei einigen Brokern verfügbar

Handelszeiten

Der Haupthandel auf Xetra läuft werktags von 9:00 bis 17:30 Uhr. Seit dem 1. Dezember 2025 können Privatanleger über teilnehmende Broker Aktien und ETFs auf Xetra zusätzlich von 8:00 bis 22:00 Uhr handeln. Außerbörsliche Handelsplätze wie gettex, Tradegate oder LS Exchange bieten ebenfalls lange Handelszeiten bis in den späten Abend. Die genauen Zeiten hängen vom Handelsplatz und deinem Broker ab.

Der Spread: die versteckten Kosten

Jeder Handelsplatz zeigt dir zwei Kurse: den Geldkurs (Bid), zu dem du verkaufen kannst, und den Briefkurs (Ask), zu dem du kaufen kannst. Der Briefkurs liegt immer etwas höher. Die Differenz heißt Spread.

Ein Beispiel: Der Geldkurs einer Aktie liegt bei 99,80 Euro, der Briefkurs bei 100,00 Euro. Der Spread beträgt 0,20 Euro oder 0,2 Prozent. Kaufst du zehn Aktien und würdest sie sofort wieder verkaufen, hättest du allein durch den Spread 2 Euro verloren, noch ohne Ordergebühren.

Bei großen Aktien ist der Spread zur Hauptbörsenzeit oft sehr klein, bei kleinen Unternehmen oder in ruhigen Phasen deutlich größer.

Warum Spreads außerhalb von 9:00 bis 17:30 Uhr breiter sein können

Während der Xetra-Hauptphase handeln viele Anleger, und die Xetra-Kurse dienen allen anderen Handelsplätzen als Orientierung. Frühmorgens und abends ist weniger los, und Market Maker fehlen verlässliche Referenzkurse. Dieses Risiko preisen sie über einen breiteren Spread ein.

Bei ausländischen Aktien kommt es auf die Heimatbörse an. US-Aktien werden zum Beispiel oft deutlich enger gehandelt, sobald die US-Börsen am Nachmittag deutscher Zeit geöffnet haben. Kaufe also möglichst, wenn der Hauptmarkt der Aktie geöffnet ist.

Payment for Order Flow: seit 1. Juli 2026 verboten

Lange haben einige Neobroker Geld von Handelsplätzen oder Market Makern dafür bekommen, dass sie die Orders ihrer Kunden dorthin leiten. Das heißt Payment for Order Flow (PFOF). Kritiker sahen darin einen Interessenkonflikt: Der Broker verdient dort am meisten, wo du nicht unbedingt den besten Preis bekommst.

Seit dem 1. Juli 2026 ist Payment for Order Flow in der EU verboten. Einige Broker haben deshalb Preismodelle oder Handelsplätze angepasst. Prüfe vor der Eröffnung die aktuellen Konditionen statt älterer Erfahrungsberichte.

Orderarten erklärt: Market-Order, Limit-Order, Stop-Loss

Mit der Orderart bestimmst du, zu welchem Preis und unter welchen Bedingungen dein Auftrag ausgeführt wird.

Market-Order (billigst oder bestens)

Bei einer Market-Order kaufst du ohne Preisgrenze zum nächsten verfügbaren Kurs. Beim Kauf heißt das auch „billigst“, beim Verkauf „bestens“. Die Order wird fast immer sofort ausgeführt, aber du weißt nicht genau, zu welchem Preis. Bei großen Aktien zur Hauptbörsenzeit ist das Risiko gering. Bei wenig gehandelten Aktien, abends oder in hektischen Marktphasen kann der Ausführungskurs aber deutlich vom zuletzt angezeigten Kurs abweichen.

Limit-Order

Bei einer Limit-Order legst du beim Kauf einen Höchstpreis fest, beim Verkauf einen Mindestpreis. Beispiel: Die Aktie notiert zuletzt bei 100,20 Euro. Du setzt ein Kauflimit von 100,00 Euro. Deine Order wird nur ausgeführt, wenn die Aktie für 100,00 Euro oder weniger zu haben ist. Fällt der Kurs nicht so weit, bleibt die Order offen, bis sie abläuft oder du sie löschst.

Für Einsteiger ist die Limit-Order oft die beste Wahl, weil du nie mehr zahlst als geplant. Setzt du das Limit knapp über den aktuellen Briefkurs, wird die Order meist sofort ausgeführt, und du bist trotzdem gegen Ausreißer geschützt.

Stop-Loss (Stop-Market-Order)

Eine Stop-Loss-Order soll Verluste begrenzen. Du legst einen Kurs unter dem aktuellen Kurs fest, die Stop-Marke. Fällt die Aktie auf diese Marke oder darunter, wird automatisch eine Market-Order zum Verkauf ausgelöst.

Beispiel: Du hast eine Aktie für 100 Euro gekauft und setzt einen Stop-Loss bei 85 Euro. Fällt der Kurs auf 85 Euro, wird verkauft, vielleicht zu 84,60 Euro. Wichtig: Der Stop garantiert keinen Preis. Fällt die Aktie über Nacht nach schlechten Nachrichten von 90 auf 70 Euro, wird zum ersten verfügbaren Kurs verkauft, also eher bei 70 Euro als bei 85 Euro.

Stop-Limit-Order

Die Stop-Limit-Order kombiniert beides. Beim Erreichen der Stop-Marke wird keine Market-Order, sondern eine Limit-Order ausgelöst. Beispiel: Stop bei 85 Euro, Limit bei 83 Euro. Fällt die Aktie auf 85 Euro, wird nur verkauft, wenn mindestens 83 Euro erzielt werden. Rauscht der Kurs direkt auf 70 Euro, wird nicht verkauft. Du bist also vor einem Verkauf zum Schleuderpreis geschützt, bleibst aber im Zweifel auf der fallenden Aktie sitzen.

Trailing-Stop

Beim Trailing-Stop wandert die Stop-Marke mit, wenn der Kurs steigt. Beispiel: Du kaufst bei 100 Euro und setzt einen Trailing-Stop mit 10 Prozent Abstand. Die Stop-Marke liegt zunächst bei 90 Euro. Steigt die Aktie auf 120 Euro, zieht die Marke auf 108 Euro nach. Fällt der Kurs danach auf 108 Euro, wird verkauft. Sinkt der Kurs, bleibt die Marke dagegen stehen.

Stop-Orders mit Vorsicht nutzen

Stop-Orders klingen nach einer Versicherung, werden aber oft schon durch normale Schwankungen ausgelöst, und kurz danach steigt die Aktie wieder. Wer ohnehin zehn Jahre oder länger investiert bleiben will, braucht sie oft gar nicht. Wenn doch, dann mit ausreichend Abstand.

Gültigkeit der Order

Zu jeder Order legst du fest, wie lange sie gilt:

  • Tagesgültig: Die Order verfällt am Ende des Handelstages, wenn sie nicht ausgeführt wurde.
  • Bis Ultimo: Die Order gilt bis zum letzten Handelstag des Monats.
  • Bis Datum: Du wählst selbst ein Enddatum, meist mit einer vom Broker festgelegten Höchstdauer.

Behalte offene Limit-Orders im Blick: Eine vergessene Kauforder wird womöglich Wochen später nach schlechten Nachrichten ausgeführt.

Die Orderarten im Überblick

Orderart Wie sie funktioniert Vorteil Risiko
Market-Order Kauf oder Verkauf zum nächsten Kurs schnelle, fast sichere Ausführung Preis unklar, bei engen Märkten teuer
Limit-Order Kauf nur bis Höchstpreis, Verkauf nur ab Mindestpreis volle Preiskontrolle Order wird eventuell nicht ausgeführt
Stop-Loss (Stop-Market) ab Stop-Marke Verkauf zum nächsten Kurs begrenzt Verluste automatisch bei Kurslücken Verkauf deutlich unter Stop
Stop-Limit ab Stop-Marke Limit-Order kein Verkauf zum Schleuderpreis bei starkem Absturz keine Ausführung
Trailing-Stop Stop-Marke steigt mit dem Kurs sichert Gewinne teilweise ab Auslösung durch normale Schwankungen

Was kostet ein Aktienkauf?

Kostenart Was es ist Worauf du achten solltest
Ordergebühr (Provision) Gebühr des Brokers pro Kauf oder Verkauf fester Betrag oder Prozentsatz mit Mindestgebühr
Fremdspesen und Börsenentgelte Gebühren des Handelsplatzes, die der Broker weitergibt fallen je nach Handelsplatz unterschiedlich an
Spread Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs eng zur Hauptbörsenzeit, breiter bei wenig gehandelten Titeln
Depotgebühr laufende Gebühr für die Verwahrung bei Online-Brokern meist 0 €, bei Filialbanken oft nicht

Beim Kauf mancher ausländischer Aktien, etwa aus Frankreich oder Italien, kann zusätzlich eine Finanztransaktionssteuer anfallen. Bei Käufen direkt an Auslandsbörsen kommen oft höhere Gebühren und Kosten für den Währungstausch dazu.

Rechenbeispiel: Warum kleine Orders teuer werden können

Fixe Ordergebühren wirken sich umso stärker aus, je kleiner die Order ist. Die folgenden Gebühren sind Beispielwerte, keine Preise einzelner Anbieter:

Ordervolumen Gebühr 1 € Gebühr 5 € Gebühr 10 €
50 € 2,00 % 10,00 % 20,00 %
500 € 0,20 % 1,00 % 2,00 %
2.000 € 0,05 % 0,25 % 0,50 %

Eine Gebühr von 1 Euro bei einer Order über 50 Euro entspricht also 2 Prozent. Genauso viel machen 10 Euro Gebühr bei einer Order über 500 Euro aus.

Dazu kommt: Beim Verkauf fällt die Gebühr erneut an. Kaufst du für 50 Euro und zahlst je 1 Euro beim Kauf und beim Verkauf, muss die Aktie um 4 Prozent steigen, nur damit du ohne Verlust herauskommst, Spread nicht eingerechnet. Bei einer Order über 2.000 Euro sind es bei gleicher Gebühr nur 0,1 Prozent.

Bei höheren Gebühren lohnt es sich also, seltener und in größeren Beträgen zu kaufen. Für sehr kleine Beträge ist ein Sparplan oft günstiger.

Einzelaktie oder ETF: Was passt zu dir?

Vor der ersten Einzelaktie lohnt die ehrliche Frage, ob du überhaupt Einzelaktien brauchst.

Das Problem mit wenigen Aktien: Klumpenrisiko

Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der einen Index nachbildet und so mit einem einzigen Kauf in hunderte oder tausende Unternehmen investiert. Wie das genau funktioniert, erklärt unser Ratgeber Was ist ein ETF?. Geht dort ein Unternehmen pleite, merkst du das im Gesamtergebnis kaum.

Bei Einzelaktien ist das anders. Steckst du 2.000 Euro in eine einzige Aktie und halbiert sich ihr Kurs, hast du 1.000 Euro verloren. Hängt ein großer Teil deines Vermögens an einem Unternehmen, einer Branche oder einem Land, spricht man von Klumpenrisiko. Dagegen hilft nur Streuung, also die Verteilung auf viele Titel.

Eine häufig genannte Größenordnung: Mit etwa 20 bis 30 Aktien aus verschiedenen Branchen und Ländern sinkt das Risiko einzelner Unternehmen deutlich. Das heißt aber auch: viel Recherche und einiges an Ordergebühren. Ein Welt-ETF erledigt das für laufende Kosten von typischerweise 0,10 bis 0,25 Prozent im Jahr.

Die Kern-Satellit-Idee

Viele Anleger kombinieren beides: Der Kern ist ein breit gestreuter Welt-ETF mit dem Großteil des Geldes, die Satelliten sind einzelne Aktien als Beimischung.

Ein Beispiel mit fiktiven Zahlen: Von 10.000 Euro stecken 8.000 Euro in einen Welt-ETF und 2.000 Euro in vier Einzelaktien zu je 500 Euro. Jede Aktie macht dann 5 Prozent des Depots aus. Halbiert sich eine davon, verliert dein Gesamtdepot 250 Euro oder 2,5 Prozent. Ärgerlich, aber kein Drama.

So sammelst du Erfahrungen mit Einzelaktien, ohne dass ein Fehlgriff deine Finanzplanung gefährdet. Wie ein solches Depot aufgebaut sein kann, zeigen wir im Ratgeber zum ETF-Portfolio.

Welche Aktie kaufen? Grundlagen der Auswahl

Konkrete Kaufempfehlungen geben wir nicht, denn niemand kann zuverlässig vorhersagen, welche Aktie am besten läuft. Ein paar Grundregeln helfen aber bei der Prüfung.

Das Geschäftsmodell verstehen

Kaufe nur Aktien von Unternehmen, deren Geschäft du in zwei, drei Sätzen erklären kannst. Frag dich:

  • Womit verdient das Unternehmen sein Geld?
  • Wer sind die Kunden, und warum kaufen sie dort und nicht bei der Konkurrenz?
  • Wird es das Produkt oder die Dienstleistung in zehn Jahren voraussichtlich noch brauchen?
  • Wie abhängig ist das Unternehmen von einzelnen Kunden, Rohstoffpreisen oder der Konjunktur?

Eine Aktie nur zu kaufen, weil sie gerade gehypt wird, ist keine Analyse, sondern eine Wette.

Wenige Kennzahlen, die du kennen solltest

Kennzahlen helfen, Unternehmen einzuordnen. Keine einzelne Zahl reicht für eine Entscheidung, aber zusammen ergeben sie ein Bild:

  • KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis): Aktienkurs geteilt durch Gewinn je Aktie. Kostet eine Aktie 60 Euro und verdient das Unternehmen 4 Euro pro Aktie, liegt das KGV bei 15. Ein hohes KGV zeigt hohe Erwartungen, ein niedriges kann ein Schnäppchen oder ein Warnsignal sein. Vergleiche am besten innerhalb derselben Branche.
  • Umsatz- und Gewinnwachstum: Wachsen Umsatz und Gewinn über mehrere Jahre? Ein einzelnes starkes Jahr sagt wenig.
  • Verschuldung: Hohe Schulden machen ein Unternehmen anfällig, vor allem wenn Zinsen steigen oder das Geschäft schwächelt.
  • Dividende: Ist die Dividende über viele Jahre stabil geblieben oder gestiegen, und wird sie aus dem Gewinn bezahlt? Eine ungewöhnlich hohe Dividendenrendite ist oft eher ein Warnsignal.

Wenn dich Dividendenaktien besonders interessieren, findest du im Ratgeber zur Dividenden-Strategie einen Einstieg. Wer tiefer einsteigen will: Im Buch Reich durch Dividenden stellt unser Gründer acht Kennzahlen und einen Qualitäts-Score vor, mit dem sich Dividendenaktien systematisch prüfen lassen.

Die verlässlichsten Informationen liefern Geschäfts- und Quartalsberichte auf der Investor-Relations-Seite des Unternehmens. In Foren und sozialen Medien ist Vorsicht angebracht.

Aktiensparplan und Bruchstücke

Auch viele Einzelaktien lassen sich per Sparplan kaufen: Du investierst regelmäßig einen festen Betrag, bei vielen Online-Brokern günstiger als per Einzelorder oder sogar kostenlos. Wie du einen Sparplan anlegst, zeigt unser Ratgeber Sparplan einrichten, das Vorgehen ist bei Aktien dasselbe.

Was sind Bruchstücke?

Kostet eine Aktie 200 Euro und du sparst 25 Euro im Monat, kannst du keine ganze Aktie kaufen. Deshalb buchen Broker bei Sparplänen Bruchstücke ein, also Teile einer Aktie. In diesem Beispiel bekommst du 0,125 Aktien. Kursgewinne und Dividenden erhältst du anteilig.

Einige Broker erlauben Bruchstücke auch bei normalen Orders, dort kannst du dann einen Eurobetrag statt einer Stückzahl eingeben. Ein paar Einschränkungen solltest du kennen:

  • Bruchstücke lassen sich oft nicht zu einem anderen Depot übertragen, sie müssen bei einem Wechsel meist verkauft werden.
  • Stimmrechte auf der Hauptversammlung gibt es für Bruchstücke in der Regel nicht.
  • Verkaufen kannst du Bruchstücke meist nur beim selben Broker, teils nur über bestimmte Handelsplätze.

Ein Sparplan nimmt dir die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt ab. Hast du schon einen größeren Betrag, kann auch ein Einmalkauf sinnvoll sein, wenn die Gebühr im Verhältnis klein ist.

Steuern beim Aktienkauf und -verkauf

Der Kauf einer Aktie selbst ist steuerfrei. Steuern fallen erst an, wenn du Erträge erzielst, also bei Dividenden und bei Gewinnen aus dem Verkauf.

Abgeltungsteuer und Sparerpauschbetrag

Kapitalerträge werden in Deutschland mit der Abgeltungsteuer besteuert: 25 Prozent plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag darauf, zusammen 26,375 Prozent. Bist du Kirchenmitglied, kommt Kirchensteuer von 8 oder 9 Prozent hinzu, berechnet auf die Abgeltungsteuer.

Bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro im Jahr (2.000 Euro für Zusammenveranlagte) bleiben deine Kapitalerträge steuerfrei, sofern du einen Freistellungsauftrag erteilt hast. Bei einem deutschen Broker läuft der Rest automatisch: Die Bank behält die Steuer ein und führt sie ans Finanzamt ab. Bei ausländischen Brokern ohne diesen Service musst du deine Erträge selbst in der Steuererklärung angeben.

Rechenbeispiel mit fiktiven Zahlen

Du kaufst 20 Aktien zu je 50 Euro, also für 1.000 Euro, und zahlst 1 Euro Ordergebühr. Deine Anschaffungskosten betragen 1.001 Euro. Später verkaufst du alle 20 Aktien zu je 65 Euro für 1.300 Euro, wieder abzüglich 1 Euro Gebühr. Dein Erlös liegt bei 1.299 Euro, der steuerpflichtige Gewinn bei 298 Euro. Die Ordergebühren mindern also den Gewinn.

  • Ist dein Sparerpauschbetrag noch nicht ausgeschöpft, zahlst du darauf keine Steuer.
  • Ist er aufgebraucht, werden 26,375 Prozent fällig, also 78,60 Euro (ohne Kirchensteuer).

Keine Teilfreistellung bei Einzelaktien

Bei Aktien-ETFs bleiben 30 Prozent der Erträge durch die sogenannte Teilfreistellung steuerfrei. Diesen Vorteil gibt es bei Einzelaktien nicht. Hier werden der volle Gewinn und die volle Dividende besteuert. Die Teilfreistellung soll bei Fonds ausgleichen, dass dort bereits auf Fondsebene Steuern anfallen.

Der eigene Verlusttopf für Aktien

Verluste aus dem Verkauf von Einzelaktien landen in einem eigenen Verlusttopf. Sie dürfen nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet werden, nicht mit Dividenden, Zinsen oder ETF-Gewinnen. Dein Broker macht das automatisch innerhalb deines Depots. Hast du Depots bei mehreren Banken, kannst du bei der Bank mit dem Verlust eine Verlustbescheinigung beantragen, in der Regel bis zum 15. Dezember, und die Verrechnung dann über die Steuererklärung vornehmen.

Beispiel: Verkaufst du Aktie A mit 300 Euro Verlust und Aktie B mit 500 Euro Gewinn, werden nur 200 Euro versteuert. Mit 500 Euro Dividende ließe sich der Verlust dagegen nicht verrechnen.

Quellensteuer bei ausländischen Aktien

Bei ausländischen Aktien behält der Heimatstaat des Unternehmens auf Dividenden oft eine Quellensteuer ein. Ein Teil davon, meist bis zu 15 Prozent, wird auf die deutsche Abgeltungsteuer angerechnet. Liegt die Quellensteuer darüber, wie etwa bei Schweizer Aktien mit 35 Prozent, musst du die Differenz mühsam im Ausland zurückfordern, sonst ist sie verloren.

Aktie verkaufen: So geht's und wann es sinnvoll sein kann

Der Verkauf läuft fast genauso wie der Kauf. Du wählst die Aktie in deinem Depot aus, tippst auf „Verkaufen“, legst Stückzahl, Handelsplatz und Orderart fest und bestätigst. Auch hier ist eine Limit-Order sinnvoll, damit du nicht unter deinem Wunschpreis verkaufst. Der Erlös landet nach Abzug von Gebühren und gegebenenfalls Steuern auf deinem Verrechnungskonto.

Hast du dieselbe Aktie zu verschiedenen Zeitpunkten gekauft, gilt steuerlich das FIFO-Prinzip (First In, First Out): Die zuerst gekauften Aktien gelten auch als zuerst verkauft. Das beeinflusst, wie hoch der steuerpflichtige Gewinn ist.

Wann ein Verkauf sinnvoll sein kann

  • Du brauchst das Geld, etwa weil dein Ziel erreicht ist. Plane solche Verkäufe früh und verteile sie über einen längeren Zeitraum.
  • Deine Gründe für den Kauf gelten nicht mehr. Hat sich das Geschäftsmodell grundlegend verschlechtert, dauerhaft Marktanteile verloren oder die Verschuldung stark erhöht, kann ein Verkauf sinnvoll sein. Entscheidend ist das Unternehmen, nicht der Kurs allein.
  • Eine Position ist zu groß geworden. Ist eine Aktie so stark gestiegen, dass sie einen großen Teil deines Depots ausmacht, kannst du einen Teil verkaufen und das Risiko neu verteilen.
  • Du willst den Sparerpauschbetrag nutzen, indem du zum Jahresende Gewinne bis zur Höhe des Freibetrags realisierst.

Meist keine gute Idee ist ein Verkauf aus Panik, weil die Kurse gerade fallen, obwohl sich am Unternehmen nichts Grundlegendes geändert hat.

Schreib dir beim Kauf in ein, zwei Sätzen auf, warum du die Aktie kaufst. Das hilft später, rational zu entscheiden.

Die 10 häufigsten Fehler beim ersten Aktienkauf

  1. Ohne Notgroschen starten. Im Notfall musst du dann verkaufen, oft zum schlechtesten Zeitpunkt.
  2. Alles auf eine Aktie setzen. Eine einzelne Aktie kann sich halbieren oder wertlos werden.
  3. Die falsche Aktie kaufen. Wer nur nach dem Namen sucht, erwischt schnell Vorzugsaktien oder ein Zertifikat. Die ISIN schafft Klarheit.
  4. Market-Order in ruhigen Zeiten. Abends, am Wochenende oder bei kleinen Unternehmen kann eine Market-Order teuer werden. Eine Limit-Order schützt dich.
  5. Winzige Orders mit hohen Fixgebühren. Eine 50-Euro-Order mit 10 Euro Gebühr startet mit 20 Prozent Minus. Größere Einzelkäufe oder Sparpläne sind günstiger.
  6. Dem Hype hinterherlaufen. Aktien, über die alle reden, sind oft schon stark gestiegen.
  7. Zu häufig handeln. Ständiges Hin und Her kostet Gebühren, Spreads und Steuern.
  8. Den Freistellungsauftrag vergessen. Dann zieht der Broker ab dem ersten Euro Steuern ab.
  9. Bei fallenden Kursen verkaufen. Wer bei jedem Minus verkauft, macht Buchverluste zu echten Verlusten.
  10. Keinen Plan haben. Ohne Ziel, Anlagehorizont und Regeln entscheidest du nach Gefühl. Und Gefühle sind an der Börse selten gute Berater.

Mehr zu den psychologischen Stolperfallen und wie du sie umgehst, liest du im Ratgeber Anfängerfehler an der Börse.

Checkliste: Deine erste Aktie in der Übersicht

Vor dem Kauf:

  • Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben liegt auf dem Tagesgeld
  • Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren für das investierte Geld
  • Entscheidung getroffen: Welt-ETF als Kern, Einzelaktien als Beimischung
  • Depot ohne Depotgebühr eröffnet und Identität bestätigt
  • Freistellungsauftrag erteilt

Beim Kauf:

  • Geschäftsmodell verstanden und Kaufgrund aufgeschrieben
  • Aktie über die ISIN gesucht
  • Handelsplatz mit engem Spread gewählt, möglichst zur Hauptbörsenzeit
  • Limit-Order mit sinnvollem Limit und passender Gültigkeit
  • Stückzahl, Limit und Kosten in der Zusammenfassung geprüft

Nach dem Kauf:

  • Wertpapierabrechnung kontrolliert
  • Depot in Ruhe lassen und höchstens ein- bis zweimal im Jahr gründlich prüfen

Häufige Fragen

Wie viel Geld brauche ich, um Aktien zu kaufen?

Technisch reicht bei vielen Brokern schon ein kleiner Betrag, mit Bruchstücken oder Sparplänen oft ab wenigen Euro. Bei Einzelorders solltest du aber auf das Verhältnis zur Gebühr achten: 1 Euro Gebühr bei 50 Euro Kaufsumme entspricht bereits 2 Prozent. Bei höheren Fixgebühren lohnen sich eher Beträge ab einigen hundert Euro. Wichtiger als die Summe ist, dass dein Notgroschen steht und du das Geld lange nicht brauchst.

Kann ich Aktien auch ohne Depot kaufen?

Nein, für den Kauf von Aktien über die Börse brauchst du immer ein Depot. Es ist das Konto, in dem deine Wertpapiere verwahrt werden. Die Eröffnung ist bei vielen Online-Brokern kostenlos und dauert meist nur 10 bis 20 Minuten. Zusätzlich bekommst du ein Verrechnungskonto, über das Käufe, Verkäufe und Dividenden abgewickelt werden.

Welche Orderart sollte ich als Anfänger nutzen?

Für die meisten Käufe ist die Limit-Order die sicherste Wahl. Du legst einen Höchstpreis fest und zahlst nie mehr als geplant. Setzt du das Limit knapp über den aktuellen Briefkurs, wird die Order in der Regel sofort ausgeführt. Eine Market-Order ist bei großen Aktien zur Hauptbörsenzeit meist unproblematisch, kann aber abends oder bei wenig gehandelten Aktien zu einem schlechten Preis führen.

Wann ist die beste Uhrzeit, um Aktien zu kaufen?

Für deutsche Aktien ist die Xetra-Hauptphase von 9:00 bis 17:30 Uhr meist günstig, weil dann viel gehandelt wird und die Spreads eng sind. Die ersten Minuten nach Handelsbeginn können unruhig sein. Bei US-Aktien sind die Spreads oft enger, wenn die US-Börsen am Nachmittag deutscher Zeit geöffnet haben. Für langfristige Anleger ist die Uhrzeit aber weniger wichtig als eine Limit-Order und niedrige Kosten.

Wie viele Aktien sollte ich im Depot haben?

Wer ausschließlich auf Einzelaktien setzt, braucht für eine vernünftige Streuung meist etwa 20 bis 30 Titel aus verschiedenen Branchen und Ländern. Das kostet Zeit und Gebühren. Viele Einsteiger nutzen deshalb einen weltweit gestreuten ETF als Kern und halten nur wenige Einzelaktien als Beimischung. So bleibt das Risiko eines einzelnen Unternehmens im Rahmen.

Muss ich Aktiengewinne in der Steuererklärung angeben?

Bei einem deutschen Broker in der Regel nicht. Er behält die Abgeltungsteuer automatisch ein und berücksichtigt deinen Freistellungsauftrag. Eine Steuererklärung kann sich trotzdem lohnen, etwa wenn du keinen Freistellungsauftrag erteilt hast, Verluste zwischen verschiedenen Banken verrechnen willst oder dein persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent liegt. Bei ausländischen Brokern musst du die Erträge selbst angeben.

Was passiert mit meinen Aktien, wenn mein Broker pleitegeht?

Aktien im Depot sind Sondervermögen. Sie gehören weiterhin dir und fallen nicht in die Insolvenzmasse der Bank. Du kannst sie in diesem Fall auf ein Depot bei einem anderen Anbieter übertragen lassen. Guthaben auf dem Verrechnungskonto ist über die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank geschützt. Vor Kursverlusten der Aktien selbst schützt das natürlich nicht.

Fazit

Deine erste Aktie zu kaufen ist technisch einfach: Depot eröffnen, Geld überweisen, Aktie per ISIN suchen, Handelsplatz und Orderart wählen, Order prüfen und abschicken. Die wichtigeren Entscheidungen fallen vorher. Starte erst, wenn dein Notgroschen steht, investiere nur Geld, das du viele Jahre entbehren kannst, und achte auf niedrige Kosten. Eine Limit-Order zur Hauptbörsenzeit schützt dich vor bösen Überraschungen beim Preis.

Einzelaktien sind spannend, aber riskanter als ein breit gestreuter ETF. Für viele Einsteiger ist deshalb ein Welt-ETF als Kern mit wenigen Einzelaktien als Beimischung ein guter Weg. Den passenden Anbieter für den Start findest du in unserem Broker-Vergleich, und wie du regelmäßig investierst, zeigt dir der Ratgeber Sparplan einrichten.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Mehr erfahren